Alle Broker ohne Nachschusspflicht: Das CFD Trading wird überholt

von A.Schwankowksi 2017

Schon immer hatte das CFD Trading einen großen Nachteil inne: Greift eine Verlust-Position die hinterlegte Sicherheitsleistung an, wird der Margin Call ausgerufen – reagiert der Trader darauf nicht, gerät er in Nachschusspflicht und muss seine Schulden beim Broker aus seinem sonstigen Vermögen begleichen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) möchte dieses Konzept nun überholen, indem sie die Nachschusspflicht komplett abschafft. Trader können somit in Zukunft beim Handel über Broker ohne Nachschusspflicht nicht mehr Geld verlieren, als sie auf ihr Trading-Konto eingezahlt haben.

Top Broker laut focus money 02/17

Das Vorhaben der BaFin im Überblick

Zum Schutz der Privatanleger plant die BaFin, die Vermarktung, den Vertrieb und den Verkauf von finanziellen Differenzgeschäften zu beschränken. Contracts for Difference beziehungsweise CFDs dürfen Privatkunden daraufhin ausschließlich ohne Nachschusspflicht angeboten werden. Grund für diese Regelung waren Bedenken in Bezug auf den Anlegerschutz – immerhin müssen Trader den Unterschiedsbetrag aus ihrem sonstigen Vermögen ausgleichen, sofern die auszugleichende Differenz das eingesetzte Kapital übersteigt.

Auch durch das Margin-Call-Verfahren oder durch Stop-Loss-Orders ist das Risiko kaum zu begrenzen – immerhin können Kursveränderungen eines Basiswertes innerhalb kürzester Zeit so stark ausfallen, dass für die Anforderungen einer Nachzahlung im Rahmen des Margin Call nicht zustande kommen kann. In diesem Fall wird die Position sofort geschlossen – gegebenenfalls auch verlustreich. Schließlich weicht der nächstverfügbare Kurs, zu dem die Limitorder ausgeführt werden könnte, möglicherweise deutlich vom ursprünglich angestrebten Preis ab, was für den Trader mit hohen Schulden beim Broker einhergehen kann.

 
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Vorteile und Risiken von CFDs

CFDs beziehungsweise „Contracts for Difference“ oder auch Differenzkontrakte, werden mit Hebelwirkung gehandelt – dies geht sowohl mit Vorteilen, als auch mit erheblichen Nachteilen einher. So können Trader im Gewinnfall mithilfe der Hebelwirkung hohe Gewinne erzielen, welche den Einsatz verhältnismäßig stark übersteigen. Allerdings birgt diese Hebelwirkung auch ein hohes Risiko, da mit ihrer Hilfe nicht nur unverhältnismäßig hohe Gewinne, sondern auch ebenso hohe Verluste erzielt werden können – und das innerhalb kurzer Zeit.

Bislang konnte man versuchen, das Risiko durch Limitorders zu begrenzen – allerdings haben auch diese nicht immer zuverlässig davor geschützt, dass eine Verlustposition die hinterlegte Sicherheitsleistung angreift und der Margin Call ausgerufen wird. In diesem Fall bleibt dem Kunden nichts anderes übrig, als seine Position entweder sofort zu schließen oder eine zusätzliche Einzahlung vorzunehmen und das benötigte Kapital „nachzuschießen“.

Broker ohne Nachschusspflicht

Bei Comdirect können Trader Konten mit oder ohne Risikobegrenzung eröffnen

Das Risiko, das CFDs bergen, blieb auch von der ESMA nicht unbemerkt: Erst im Juli 2016 gab die Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde eine Investorenwarnung zu diesen Produkten heraus. Einer der Gründe für die Warnungen vor CFDs war der Franken-Schock, der Anfang 2015 die Gemüter der Trader erhitzt hatte. Damals hatte die Schweizer Nationalbank den Euro-Mindestkurs aufgehoben, woraufhin die CFD Trader durch die Nachschusspflicht hohe Verluste erlitten – um 20 Prozent fiel der Euro gegenüber dem Schweizer Franken zu diesem Zeitpunkt.

Trader konnten schon vorher ohne Nachschusspflicht handeln

Teilweise war es CFD Tradern schon vor dem Eingreifen der BaFin möglich, Differenzkontrakte ohne Nachschusspflicht zu handeln. Dies wurde durch die Broker selbst möglich gemacht, die auf die Nachschusspflicht verzichtet haben. Positionen wurden hierbei von den  Anbietern automatisch selbst geschlossen, sobald die Sicherheitsleistung in Gefahr war. Für die Trader existierte dabei nie das Risiko, mehr Geld zu verlieren, als sie eingezahlt haben. Allerdings war die Auswahl an Brokern ohne Nachschusspflicht schon immer sehr klein, wie auch der Vergleich gezeigt hat.

Broker ohne Nachschusspflicht im Überblick

Zu den Online Brokern, die ihren Kunden den Handel von CFDs und Währungen ohne Nachschusspflicht ermöglichen, gehört in erster Linie das deutsche Unternehmen Flatex. Der Broker, der sich lange auf den reinen Wertpapierhandel beschränkt hatte, ermöglicht seinen Kunden den Handel von verschiedenen Basiswerten auf Basis von Differenzkontrakten – allen voran natürlich Aktien. Als vorteilhaft erweist es sich im Test nicht zuletzt, dass die Kunden des Unternehmens dem Handel von CFDs und dem vollwertigen Aktienhandel über dieselbe Plattform nachgehen können. Beim Handel von Index-, Rohstoff- und Währungs-CFDs müssen Trader dabei keine Kommissionen beachten – beim Handel von Aktien-CFDs liegt die Kommission bei nur 0,05 Prozent.

Deutsche Broker ohne Nachschusspflicht unter der Lupe

Neben Flatex gehört auch die Consorsbank zu den deutschen Brokern ohne Nachschusspflicht. Hierbei werden alle Positionen automatisch geschlossen, sobald die Sicherheitsleistung aufgebraucht ist. Ist dies nicht rechtzeitig möglich, werden die Verluste vom Broker getragen. Dies ist möglich, da sich der Hebel hierbei nur auf 50:1 statt auf bis zu 500:1 beläuft, was bei vielen anderen Brokern der Fall ist. Neben einer Regulierung durch die BaFin überzeugt die Consorsbank auch durch ein umfangreiches Serviceangebot und durch die Möglichkeit, neben dem Handel von CFDs auch Bank- und Börsengeschäfte über die Plattform abzuschließen.

Die Consorsbank ermöglicht den CFD-Handel ohne Nachschusspflicht

Die Consorsbank ermöglicht den CFD-Handel ohne Nachschusspflicht

Möchte man über einen deutschen Broker ohne Nachschusspflicht handeln, kann man sich auch für Comdirect entscheiden. Hier besteht die Nachschusspflicht zwar grundsätzlich schon, allerdings kann der Broker auf Wunsch des Kunden eine Risikobegrenzung einrichten, die einen Nachschuss ausschließt. In diesem Fall steigt die Margin allerdings von 1,0 Prozent auf 20,0 Prozent an, was mit einem maximalen Hebel von 5:1 einhergeht. Auch hier können sich die Kunden allerdings zumindest ein umfangreiches Informations- und Leistungsangebot zunutze machen – auch für den Abschluss von sonstigen Bankgeschäften.

 
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iForex als reiner CFD Broker ohne Nachschusspflicht

Zu guter Letzt gehört auch iForex zu den Brokern, die ihren Kunden den CFD-Handle ohne Nachschusspflicht ermöglichen. Das Unternehmen unterhält seinen Stammsitz auf Zypern und ermöglicht den Tradern in Deutschland von dort aus den Handel zu einem maximalen Hebel von 400:1 ohne Nachschusspflicht. Der Verlust kann hierbei die Sicherheitsleistung übersteigen, sofern der Gesamtkontostand nicht ins Minus rutscht. In diesem Fall werden alle Positionen geschlossen – sollte der Saldo trotzdem negativ werden, muss er allerdings nicht ausgeglichen werden.

Einen sicheren und vertrauenswürdigen Umgang gewährleistet der Broker durch die Regulierung durch die zypriotische Cyprus Securities and Exchange Commission (CySEC). Im Service-Bereich at das Unternehmen eine tägliche Analyse, einen Wirtschaftskalender und Mobile Trading Apps zu bieten.

Trader sollten auch auf die vorhandenen Infoangebote achten

Trader sollten auch auf die vorhandenen Infoangebote achten

Fazit: Alle Änderungen kurz zusammengefasst

Bislang ging der Handel über die meisten Online Broker mit der sogenannten Nachschusspflicht einher. Wurde die Sicherheitsleistung angegriffen und übersteigen die Verluste die Einlage, was gerade bei starken Kursschwankungen nicht ausgeschlossen ist, musste der Kunde bislang die Differenz nachschießen. Dies war nicht bei jedem Broker der Fall – Flatex, die Consorsbank, Comdirect oder iForex ermöglichten schon immer den CFD-Handel ohne Nachschusspflicht. Dank neuer Vorgaben der deutschen Finanzaufsichtsbehörde BaFin sollen künftig jedoch alle Broker auf die Nachschusspflicht verzichten, was für die Trader mit einem weitaus geringeren Verlustrisiko einhergeht.

 
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