Tagesgeld: internationale Einlagensicherungen im Vergleich

von A.Schwankowksi 2017

Rein formal betrachtet handelt es sich auch bei den Einlagen bei Bankinstituten, also bei Guthaben auf dem Girokonto, Festgeldanlagen oder bei Tagesgeld um eine Anlageform, die mit einem gewissen Ausfallrisiko behaftet ist. Wie bei allen Anlageformen gibt es also keine absolut hundertprozentige Sicherheit für den Schutz der Einlagen der Anleger. Darin unterscheidet sich die Geldanlage bei einer Bank grundsätzlich nicht von anderen Anlageformen, wie etwa Aktien, Anleihen oder Edelmetallen. Während jedoch Wertpapiere wie eben Aktien und Anleihen direkt auf die Entwicklung des Unternehmens oder des Staates, durch die sie herausgegeben wurden, mit Kursbewegungen reagieren, sind Bankkunden in Bezug auf die Sicherheit ihrer Einlagen auf die wirtschaftliche Verfassung des Bankinstituts angewiesen.

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Bankeinlagen waren nicht immer per se 100 Prozentig sicher

Seit es Banken gibt, gibt es auch immer wieder Bankenkrisen und Bankenpleiten. Gerät eine Bank in Zahlungsschwierigkeiten, muss sie unter Umständen Insolvenz anmelden. Die für die Kunden schwerwiegendste Folge eines solchen Schrittes ist, dass die Einlagen der Kunden nicht oder nur zu einem Teil ausgezahlt werden können. Da es nach unserer Erfahrung für den einfachen Bankkunden im Prinzip nicht möglich ist, die wirtschaftliche Verfassung eines einzelnen Bankinstitutes realistisch zu beurteilen, kann er auch nicht die tatsächliche Gefahr einschätzen, der seine Einlagen ausgesetzt sind. Da aber die Bankenbranche in erster Linie von dem Vertrauen ihrer Kunden lebt, gibt es schon sehr lange verschiedene Maßnahmen, um das Vertrauen der Kunden in die Institute zu stärken.

Bei der Einlagensicherung handelt es sich dabei um ein vergleichsweise junges Instrument, welches in Deutschland erstmalig durch die genossenschaftlich organisierten Banken in den 30er-Jahren eingeführt wurde. Erst im Jahre 1966 wurde durch die privaten Banken in Deutschland eine bundesweite Sicherungseinrichtung etabliert, durch die die Einlagen der Banken im Insolvenzfall geschützt werden sollen.

Bis heute hat sich in Deutschland vor diesem Hintergrund ein solides System der Einlagensicherung entwickelt, welches standardmäßig aus zwei Einlagensicherungsfonds besteht. Neben einer gesetzlichen Einlagensicherung sind die allermeisten Bankinstitute auch an einer freiwilligen Einlagensicherung beteiligt. Dabei gilt der gesetzliche Einlagensicherungsfonds als deutlich solider, während der freiwillige Einlagensicherungsfond, zumindest theoretisch, auch höhere Summen abdeckt. So kann sich der Bankkunde im Falle einer Bankinsolvenz prinzipiell darauf verlassen, dass zumindest 100.000 Euro seiner Einlagen in jedem Fall geschützt sind. Die Garantien, die aus den freiwilligen Einlagensicherungsfonds resultieren, betragen nach derzeitigem Stand 20 Prozent des Eigenkapitals der Bank, so dass je Kunde auch Summen von über 50 Millionen geschützt sind.

Allerdings können diese Garantien nur eingehalten werden, wenn es sich um die Insolvenz eines einzelnen Institutes handelt, und keine größeren Bankenkrisen stattfinden. Denn aus einem Einlagensicherungsfond resultierende Garantien können nur solange eingehalten werden, wie diese durch Einlagen der Mitglieder gedeckt sind. Aus dem gleichen Grund kann auch der gesetzliche Einlagensicherungsfonds nicht als 100 prozentig sicher bezeichnet werden. Denn für den Fall, dass mehrere Großbanken eines Landes Zahlungsschwierigkeiten bekommen und in Insolvenz gehen müssen, durfte auch der gesetzliche Einlagensicherungsfonds Probleme bekommen, alle Ansprüche zu begleichen. Grundsätzlich gilt das deutsche System der doppelten Einlagensicherung aber als ausgesprochen sicher. Dazu trägt u.a. auch bei, dass die Banken durch die Mitgliedschaft in einem Einlagensicherungsfond auch zu einer vorausschauenden und besonders vorsichtigen Wirtschaftsweise verpflichtet sind. Hierzu zählen u.a. besondere Eigenkapitalvorschriften.

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In Europa wurden die Regeln zur Einlagensicherung vereinheitlicht

Im Rahmen des europäischen Einigungsprozesses wurden neben vielen anderen Regelungen auch die Vorgaben zur Einlagensicherung vereinheitlich. Dies bedeutet jedoch nicht, dass in jedem Mitgliedsstaat der EU die gleichen Standards gelten, und dass von einem identischen Sicherheitsniveau ausgegangen werden kann. Zunächst sieht die europäische Regelung vor, dass nach wie vor jedes Land seine eigene Einlagensicherung betreibt. Auch wenn aus Richtung einiger Staaten versucht wird, diese Regelung aufzuweichen, und zu einer europäischen Gemeinschaftslösung zu kommen, hat sich bisher an dieser Situation nichts geändert. Vor allen die wirtschaftlich stärkeren Staaten, u.a. auch Deutschland, wehren sich gegen einen europäischen Mechanismus der länderübergreifenden Einlagensicherung, da sie dadurch das Niveau der heimischen Einlagensicherung gefährdet sehen.

Hieraus ist bereits zu erkennen, dass das jeweilige nationale Niveau der Einlagensicherung höchst unterschiedlich beurteilt wird. Insbesondere südländische Staaten in Europa gelten vor diesem Hintergrund als weniger solide als die nördlichen Mitgliedsstaaten.

Faktisch gibt eine EU-Richtlinie die Rahmendaten vor, nach denen die Mitgliedsstaaten ihre nationale Einlagensicherung auszurichten haben. Diese Regelung bezieht sich allerdings ausschließlich auf die gesetzliche Einlagensicherung. Eine freiwillige Einlagensicherung, wie wir sie in Deutschland kennen, haben dagegen die wenigsten Europäischen Staaten. Grundsätzlich gilt bei der Umsetzung der Vorgaben für die Einlagensicherung das Prinzip des Hauptstandorts des Instituts. Das heißt, dass für Banken die Regelungen des Landes gelten, in denen sich ihr Hauptsitz befindet. Gerade bei ausländischen Banken, die ihren Sitz in Deutschland haben, hat sich jedoch die Praxis durchgesetzt, sich an den jeweiligen nationalen Regeln zu orientieren, da sonst Nachteile in Bezug auf die Vertrauenswürdigkeit befürchtet werden.

100.000 Euro Einlagensicherung sind in Europa Standard

Mit Blick auf die Regelungen, die für die europäischen Mitgliedsstaaten gelten, ist zunächst, wie auch in Deutschland, die Zahl 100.000 Euro entscheidend. Diese Summe gilt seit 2011 in allen europäischen Mitgliedsstaaten. Noch nicht vollständig umgesetzt wurden die Regelungen in den EU Mitgliedstaaten Litauen und in Zypern.

In Großbritannien, einem EU Mitglied in dem nach wie vor das britische Pfund und nicht der Euro gilt, wurde die Sicherungsgrenze auf 85.000 britische Pfund festgelegt, was in etwa dem Wert von 100.000 Euro entspricht. Die Regelungen sehen darüber hinaus wie in Deutschland vor, dass jeweils 100 Prozent der Kundeneinlagen bis zu dem Wert von 100.000 Euro geschützt sind. Vorher gab es in einigen Ländern auch die Regelungen, dass nur ein bestimmter Anteil der Einlagen vom Einlagensicherungsfonds gedeckt ist. Im Falle einer Insolvenz des jeweiligen Bankinstitutes hätte der Bankkunde dabei folglich nur einen Anteil von beispielsweise 80 Prozent seiner Einlagen garantiert zurückerhalten.

Neben den EU Mitgliedern verfügt auch die Schweiz über eine nationale Einlagensicherung, die je Kunde 100.000 Schweizer Franken abdeckt, was nach derzeitigem Stand etwa 95.000 Euro entspricht.

Faktisch sind aber die Garantien, die durch den Einlagensicherungsfond gewährleistet werden, und die praktische Umsetzung im Krisenfall zwei verschiedene Paar Schuhe. Denn im Ernstfall hängt es im Wesentlichen von der wirtschaftlichen Verfassung des gesamten Bankensektors ab, ob die Ansprüche aller Kunden vollständig beglichen werden können. In dieser Hinsicht müssen, wie bereits erwähnt, die jeweiligen nationalen Einlagensicherungsfonds entsprechend ihrer Sicherheit unterschiedlich solide beurteilt werden.

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Auch außerhalb Europas gibt es vergleichbare Regelungen

Auch jenseits der EU haben Staaten ihre Banken verpflichtet, sich an einer nationalen Einlagensicherung zu beteiligen. So können sich die Sparer in Norwegen, einem europäischen Staat, der nicht zur Europäischen Union gehört, auf eine Einlagensicherung in Höhe von zwei Millionen norwegischen Kronen verlassen, was einem Betrag von rund 236.000 Euro entspricht. Deutlich geringer ist die Sicherung im europäischen Inselstaat Island, wo die Sicherung lediglich umgerechnet rund 20.000 Euro umfasst. Im Folgenden sind weitere international bedeutsame Staaten aufgeführt, in deren eine Einlagensicherung gilt:

  • Russland: 1,4 Millionen Rubel entspricht ca. 18.500 Euro
  • Japan: 12 Millionen Yen entspricht ca. 77.000 Euro
  • Kanada: 100.000 Kanadische Dollar entspricht 76.000 Euro
  • USA: 250.000 US Dollar entspricht ca. 231.000 Euro

Auch außerhalb Deutschlands und Europas können sich Sparer und Bankkunden also darauf verlassen, dass ihre sogenannten Sichteinlagen bei der Bank im Falle einer Insolvenz des entsprechenden Instituts geschützt sind. Die Garantien, die durch den jeweiligen nationalen Einlagensicherungsfond gegeben werden, gelten dabei für alle Bankkunden, und nicht etwa nur für Staatsbürger des entsprechenden Landes.

Fazit – Tagesgeld durch Einlagensicherung weltweit einer der sichersten Anlageformen

Dank einer Einlagensicherung, können sich Sparer darauf verlassen, dass das Tagesgeld nicht nur in Deutschland zu einer der sichersten Anlageformen gezählt werden kann. Neben den jeweiligen Garantiesummen, die für jedes einzelne Land bzw. jeden Wirtschaftsraum gelten, sind darüber hinaus aber auch weitere Bedingungen entscheidend, um die Qualität eines Einlagensicherungsfonds realistisch einschätzen zu können. Dies gilt selbst für die Mitgliedsstaaten der EU, wo zumindest rein formal mittlerweile überall einheitliche Richtlinien gelten. In fast allen Ländern können sich die Bankkunden auf eine Mindestsumme von 100.000 Euro verlassen. Entscheidend ist jedoch, ob der jeweilige Fond diese Garantien im Ernstfall auch leisten kann, was wiederum von der Stärke des nationalen Bankensektors sowie der gesamten Wirtschaft abhängt. Vor diesem Hintergrund können sich die Kunden bei Kreditinstituten mit Sitz in Deutschland auf eines der weltweit solidesten Sicherungssysteme verlassen. Dies gilt auch für die Topangebote für Tagesgeld, die wir zum Abschluss kurz vorstellen möchten.

Um ein sehr lukratives Angebot handelt es sich bei dem Tagesgeldkonto der Audi Bank. Diese bietet für den Betrag von 100.000 Euro aktuell einen Zinssatz von 1,25 Prozent je Jahr, wobei das Angebot jedoch nur für die ersten vier Monate nach Eröffnung gilt. Danach wird auf die Einlagen der Kunden ein regulärer Zinssatz in Höhe von 0,3 Prozent p.a. gezahlt. Ebenfalls um ein ausgesprochen attraktives Angebot handelt es sich beim Tagesgeldkonto der Ing-DiBa. Während für die ersten vier Monate ein Prozent für maximal 100.000 Euro gezahlt werden, kann der Sparer im Anschluss von einem regulären Zins von immerhin 0,5 Prozent profitieren. Sogar für ein ganzes Jahr gilt das Eröffnungsangebot der Consorsbank, die ihren Kunden für diesen Zeitraum ein Prozent Zinsen bietet, allerdings nur für einen Betrag von 20.000 Euro. Danach fällt der Zins nach heutigem Stand auf 0,2 Prozent je Jahr.