MiFID II- bessere Kontrolle, mehr Arbeit

von A.Schwankowksi 2018

XTB Erfahrungen

Ab dem 3. Januar 2018 (vom aktuellen Schreibtag aus gesehen also schon sehr bald) tritt eine neue Gesetzgebung in Kraft- MiFID II.

Begleitet wird die MiFID II von der Finanzmarktverordnung (Markets in Financial Instruments Regulation) – MiFIR. Diese gilt zwar unmittelbar, löst jedoch ebenfalls einen Anpassungsbedarf im deutschen Recht aus.

Nationale Regelungen, die der MiFIR entgegenstehen oder gleich lauten, entfallen damit ab Januar. Zudem müssen nationale Sanktionsvorschriften auf die Gebote und Verbote dieser Verordnung ausgedehnt werden.

Allgemeines über MiFID II

Allgemein gesehen ist MiFID das regulatorische Rahmenwerk für Wertpapiergeschäfte in Europa. Es regelt und harmonisiert europaweit den Wertpapierhandel und setzt hohe Standards für den Anlegerschutz.

MiFID II Überblick

das alles gehört zu MiFID. Ganz schön viel, oder?

Rückblick

Das erste Mal in Kraft getreten ist MiFID im November 2007.

MiFID (Markets in Financial Instruments Directive) ist eine europäische Finanzregulierungsrichtlinie, die ursprünglich im Jahr 2007 eingeführt wurde.

Vor dem Hintergrund der seitdem veränderten Marktstruktur und Innovationen auf den Finanzmärkten sowie der Folgen der Finanzkrise hat die EU-Kommission Ende 2010 eine Konsultation zur Reform der MiFID gestartet.

2014

Anfang 2014 einigten sich die Vertreter des EU-Parlaments, des Rates und der EU-Kommission auf die Überarbeitung der Richtlinie. Nachdem sich das Verfahren für die ausführenden Regelungen verzögert hat, haben die EU-Institutionen im April 2016 beschlossen, den Starttermin für MiFID II um ein Jahr auf den 3. Januar 2018 zu verschieben.

Die Richtlinie wird damit zu dem 3. Januar geändert und verpflichtet alle EU-Mitgliedsstaaten, die damit einhergehenden Änderungen auf nationaler Ebene umzusetzen. Damit reagiert der europäische Gesetzgeber auf die seit 2007 andauernde Finanzkrise.

Was kommt?

Unter MiFID II müssen sich die Anbieter entscheiden, ob sie abhängig oder unabhängig beraten.

Unter der unabhängigen Anlageberatung dürfen Provisionen und sonstige Zuwendungen nicht angenommen werden, beziehungsweise sind zumindest an den Kunden komplett auszukehren.

Privates Banking

Im privaten Banking müssen sich die Berater die Frage stellen, ob ihre Kunden eine abhängige Beratung akzeptieren werden, aber auch ob dadurch die Konkurrenz das eigene Geschäft bedroht. Hier zählt vor allem der Gedanke an die Honoraranlageberatung und die Vermögensverwalter.

Unabhängige Anlageberatung

In der abhängigen Anlageberatung muss der Berater dem Kunden sämtliche Provisionen und Zuwendungen offen legen.

Gleichzeitig werden im Zuge der Überarbeitung der bestehenden Richtlinie die Anwendungsbereiche von MiFID II/MiFIR deutlich erweitert.

MiFID II Phasen

So lief MiFID ab

Wesentliche Anforderungen an MiFID II

Wesentliche Anforderungen an die neue Richtlinien sind:

  • Anforderungen an die Geschäftsführung und Organisation von Wertpapierfirmen,
  • Zulassungsanforderungen für geregelte Märkte,
  • aufsichtsrechtliches Meldewesen zur Vermeidung von Marktmissbrauch,
  • Transparenzpflicht im Aktienhandel und
  • Vorschriften für die Zulassung von Finanzinstrumenten zum Handel.

Ziele von MiFID II

MiFID II hat einige Ziele, die umgesetzt werden sollen. Die Schlagwörter hier sind mehr Transparenz, mehr Regelungen als bisher und mehr Verpflichtungen.

Transparenz

Im Klartext bedeutet das, mehr Transparenz zu erzielen sowie die bestehenden Transparenzanforderungen für den Aktienhandel zu stärken und zu erweitern. Dies geschieht vor allem durch die Einführung von Vor- und Nachhandelstransparenzanforderungen.

Geregelte Märkte

Gleichzeitig sollen mehr Geschäfte an geregelte Märkte verlagert werden. Dies geschieht durch die Einführung einer neuen Kategorie von Handelsplattform, der sogenannten OTF (Organised Trading Facility). Sie gilt für Derivate und unterstützen Anleihen. Dazu kommt noch eine Handelspflicht für Aktien an geregelten Marktplätzen.

Die EU verpflichtet sich hier, die G20-Beschlüsse zu erfüllen.

Das heißt?

Das bedeutet:

  • Derivate an geregelten Handelsplätzen,
  • Einführung von Positionslimits und Meldepflichten für Rohstoffderivate
  • Erweiterung des Begriffs einer Wertpapierfirma auf Firmen, die im Rahmen ihrer Finanztätigkeit mit Rohstoffderivaten handeln

Mit den neuen MiFID II Richtlinien ermöglicht man KMUs durch die Einführung einer Registrierung den Zugang zu Kapital.

Anlegerschutz

Gleichzeitig soll der Anlegerschutz gestärkt werden. Das soll durch ein Annahmeverbot für Provisionen, den Schutz unabhängiger Beratung, die Einführung neuer Vorschriften zur Produktüberwachung und Weiterem erfolgen.

Zusätzlich möchte man die Anpassung an den technologischen Fortschritt gewährleisten, indem der Hochfrequenzhandel reguliert wird und Anforderungen an Handelsplätze und Firmen eingeführt werden.

Das alles soll einen diskriminierungsfreien Zugang zu Handels- und Nachhandelsdienstleistungen ermöglichen.

Geltungsbereich in MiFID II

Abhängig von Art und Volumen der Wertpapierdienstleistungen und Anlagetätigkeiten einer Firma hat MiFID II/MiFIR unterschiedliche Auswirkungen.

Es ist keine Firmenkategorie als solche von der Anwendung der Bestimmungen ausgenommen. Das gilt definitionsgemäß für Wertpapierfirmen, Kreditinstitute, bestimmte nichtfinanzielle Gegenparteien, zentrale Gegenparteien und Drittlandfirmen, die Wertpapierdienstleistungen und Anlagetätigkeiten in der Europäischen Union ausführen.

Den zuständigen nationalen Behörden ist das Recht vorbehalten, in letzter Instanz zu entscheiden, wen sie abweichend von oder ergänzend zu diesen Definitionen als Wertpapierfirma gemäß MiFID II/MiFIR und was sie als Wertpapierdienstleistungen und Anlagetätigkeiten betrachten.

Alles so komplex

Sie sehen: wegen des enormen Umfangs, der Ausführlichkeit, Verflechtung und Querverweise der regulatorischen Bestimmungen sowie der Durchführungsbestimmungen sind MiFID II/MiFIR äußerst komplex. Aber da müssen wir wohl durch.

Marktstruktur in MiFID II

MiFID II soll die bestehenden rechtlichen und regulatorischen Lücken schließen. Dazu soll es sicherstellen, dass der Handel – sofern möglich – über geregelte Plattformen stattfinden kann. Dafür wurde eine entsprechende Pflicht zum Handel an geregelten Marktplätzen eingeführt.

Wettbewerbsbedingungen

Um gleiche Wettbewerbsbedingungen wie für geregelte Märkte und MTFs zu schaffen, wurde für Nichteigenkapitalinstrumente das sogenannte organisierte Handelssystem OTF (Organised Trading Facility) eingeführt.

OTF-Betreiber können Geschäfte nach eigenem Ermessen, aber nicht gegen ihr eigenes Buch ausführen, einschließlich der Zusammenführung sich deckender Kundenaufträge.

Neben der Handelspflicht für Aktien wurde eine Handelspflicht für Derivate, die für ein Clearing gemäß der EMIR (European Market Infrastructure Regulation) in Frage kommen und ausreichend liquide sind, eingeführt.

Anlegerschutz bei MiFID II

Unter anderem wird die Einrichtung einer Compliance-Funktion verlangt.

Überwachung und Regeln

Deren Aufgabe ist es, die Entwicklung und die regelmäßige Prüfung der Produktüberwachung zu beobachten. Die neuen Bestimmungen sehen weiterhin strengere Verhaltensregeln vor. Unter anderem werden der Anwendungsbereich der Angemessenheitstests erweitert und die Pflicht zur Information von Kunden verstärkt

Befugnisse und Bedingungen

Auch für die Annahme von Provisionen (Anreizen) werden Beschränkungen festgelegt. MiFID II/MiFIR führen ferner vereinheitlichte Befugnisse und Bedingungen für die ESMA ein, die Vermarktung und den Vertrieb bestimmter Finanzinstrumente unter genau beschriebenen Umständen zu verbieten oder zu beschränken.

Auch der EBA (Europäischen Bankenaufsichtsbehörde) werden für strukturierte Einlagen ähnliche Befugnisse übertragen. In Bezug auf Anlageprodukte für Kleinanleger, die sogenannten PRIPs (Packaged Retail Investment Products) deckt das neue Regelwerk auch strukturierte Einlagen ab und ergänzt die Richtlinie über Versicherungsvermittlung um neue Vorschriften für Versicherungsanlageprodukte.

Transparenz in MiFID II

Die Regelungen um MiFID II und MiFIR erhöhen die die Transparenz an den Aktienmärkten und führen eine Transparenzregelung für alle Nichteigenkapitalfinanzinstrumente wie Anleihen und Derivate ein.

Aktienmärkte

Aktien sind dabei auf eine doppelte Volumenbegrenzung. Sie weiten das Vor- und Nachhandelstransparenzsystem darüber hinaus auf Nichteigenkapitalinstrumente aus und führen Ausnahmeregelungen für die Herstellung der Vorhandelstransparenz bei großen Aufträgen, Preisanfragesystemen und sprachbasierten Handelssystemen ein.

Die Nachhandelstransparenz wird bei allen Finanzinstrumenten sichergestellt, wobei die Möglichkeit zur aufgeschobenen Veröffentlichung oder Volumenmaskierung besteht.

Die Handelsplätze sind nun verpflichtet, Vor- und Nachhandelsdaten auf wirtschaftlich vertretbarer Basis zur Verfügung zu stellen.

Was wären mögliche Pannen von MiFID II?

Selbstverständlich gibt es das ein oder andere Worst-Case Szenario zum Jahresbeginn 2018. Dazu zählen abstürzende Computer, von den Märkten abgeschnittene Investoren und ein erhöhtes Risiko von Eingabefehlern. Also das übliche.

Kosten von MiFID II

Die einmaligen Kosten seit dem Jahr 2014 für die deutsche Kreditwirtschaft in Vorbereitung auf die Einführung von MiFID II bezifferte der Bankenverband auf eine Milliarde Euro.

Das ist ein Betrag, den die Banken und Sparkassen in Zeiten historisch niedriger Zinsen und ständig steigender Aufsichtsvorgaben gerne für andere Zwecke verwenden würden als für die Umsetzung der Richtlinie.

MiFID II in der Telefonberatung

Die Berater und Banken haben die Pflicht, in Zukunft Telefongespräche im Rahmen der Anlageberatung aufzuzeichnen. Die Aufzeichnungen müssen die Banken dann fünf Jahre vorhalten, wobei sich die Frist auf Wunsch der Aufsicht um zwei Jahre verlängern kann.

MiFID II Beratung in der Filiale

Findet das Beratungsgespräch in der Filiale statt, dann reicht ein schriftlicher Vermerk über den Gesprächsverlauf, wenn er zu einem Wertpapierauftrag geführt hat.

Dafür wird es im Anschluss eine Geeignetheitserklärung geben, ob das Produkt für die Anlageziele und die Risikotragfähigkeit des Kunden geeignet ist. Der Aufsicht geht es vor allem darum, ob die Beratung bedarfsgerecht erfolgt ist.

aus: pixabay (Quelle: CC0 Creative Commons, 2017)

Negatives aber auch positives über MiFID II

Die neuen Regelungen über MIFID II stellen eine stärkere Haftung der Hersteller von Finanzprodukten dar.

Aber auch eine verbesserte Kostentransparenz, die den Kunden künftig nicht mehr nur zum Erwerbszeitpunkt, sondern laufend geboten wird.

Die Berater müssen die Kunden vor dem Kauf darüber aufklären, wie die entstehenden Kosten die mögliche Rendite schmälern. Das kann sich auf verschiedene Produkte beziehen, so dass auf diese Art der Wettbewerb erhöht wird.

Grundsätzlich sollen Banken für den Vertrieb von Produkten keine Provisionen mehr erhalten.

Alles was dazu gehört. Alles worüber alle diskutieren.

Zusammenfassung von MiFID II

So, wir haben jetzt viel darüber gelesen. Sehr viel. Einfach war das alles nicht, aber wichtig ist es für uns alle. Darum kommt jetzt eine kleine Zusammenfassung.

  • europäische Vorschriften über Märkte für Finanzinstrumente
  • tritt am 3. Januar 2018 in Kraft
  • erhalten genauere Informationen über die angebotenen Dienstleistungen und Finanzinstrumente,
  • Zu jeder Anlageberatungsdienstleistung gehört ein Bericht über die Angemessenheit Ihres Portfolios
  • Mehr Transparenz
  • Besserer Schutz
  • 3 Kundenkategorien: privater Kunde, professioneller Kunde, geeignete Gegenparteien
  • Bessere Kundeninformationen und besserer Service
  • Mehr Interaktion zwischen Berater und Kunde

DEGIRO und MiFID II

Auch unser bekannter Online Broker DEGIRO hat sich dazu geäußert und begrüßt diese Gesetzgebung, da sie die Effizienz, Transparenz und Sicherheit der europäischen Finanzmärkte erhöhen wird.

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