Für kontinuierlich hohe Zinsen das Tagesgeldkonto wechseln

von A.Schwankowksi 2017

Egal wie gut das aktuelle Konto für das Tagesgeld ist, wer sich eindringlich mit den Angeboten, die es aktuell beim Tagesgeld gibt, beschäftigt, wird in den meisten Fällen feststellen, dass es immer noch bessere Angebote gibt. Das liegt vor allem daran, dass die besten Zinsen auf das Tagesgeld fast ausschließlich im Zusammenhang mit sogenannten Eröffnungsangeboten gezahlt werden. Dabei handelt es sich um Angebote, die die Banken einsetzen, um in Vergleichen besonders gut dazustehen und so neue Kunden anzulocken. Die hohen Zinsen gelten dann allerdings maximal für drei oder vier Monate, in Ausnahmefällen auch einmal ein halbes oder sogar ein ganzes Jahr. Trotzdem spricht natürlich nichts dagegen, sich für ein solches Angebot zu entscheiden, und von diesen guten Zinsen zu profitieren.

Will man von einem solchen Eröffnungsangebot profitieren, so ist es notwendig, dass bestehende Tagesgeldkonto zu wechseln. Sollen darüber hinaus dauerhaft hohe Zinsen mit den Einlagen auf das Tagesgeld erzielt werden, ist es weiterhin notwendig, das Konto mehrfach zu wechseln. Ein solches Vorgehen ist mit einem gewissen Aufwand verbunden, stellt jedoch den einzigen Weg dar, für täglich verfügbare Einlagen einen überdurchschnittlichen Zins zu erzielen. Während bei Tagesgeld im Durchschnitt derzeit Zinsen von etwa 0,2 Prozent drin sind, liegen die besten Angebote für diese Kontoform bei über einem Prozent im Jahr.

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Für den Kontowechsel sind prinzipiell nicht allzu viele Aktivitäten notwendig, auf einige wichtige Punkte sollte der Sparer allerdings achten. Folgende Fragen sollte sich der Sparer in jedem Fall stellen:

  • Welche Konditionen bietet sein aktuelles Konto?
  • Welche Angebote gibt es derzeit?
  • Welche kurzfristigen und welche langfristigen Vorteile bieten diese Angebote?
  • Wie aufwändig ist ein der Wechsel?

Ist das aktuelle Konto noch ausreichend?

Bevor sich der Sparer Gedanken darüber macht, ob das Konto gewechselt werden soll, sollte die Frage gestellt werden, ob das bestehende Konto nicht ausreicht? Entscheidend sind dabei neben den kurzfristigen auch die langfristigen Konditionen. Dabei ist es wahrscheinlich, dass das laufende Konto bei den aktuellen Konditionen wohl jedem Eröffnungsangebot unterlegen sein dürfte. Dabei sollten aber in jedem Fall auch die langfristigen Konditionen verglichen werden. Denn es nützt nach unserer Erfahrung wenig, wenn der Sparer aufgrund eines höheren, allerdings nur kurzfristig gültigen Zinssatzes den Anbieter wechselt, im Anschluss an diese Phase aber nichts weiter unternimmt und deswegen dann deutlich weniger Zinsen erhält. Um hier eine richtige Einschätzung zu treffen, sollte sich der Sparer vor allem zunächst selber realistisch einschätzen. Ist der Wunsch, das Tagesgeldkonto zu wechseln und höhere Zinsen zu kassieren nur einer kurzfristigen Motivation geschuldet, oder ist er bereit, langfristig einen gewissen Aufwand zu betreiben und jeweils auf das beste Konto zu wechseln?

Ein Vorteil des aktuellen Kontos kann auch darin bestehen, dass man sich einmal mit der Handhabung dieses Produktes auskennt. Auch wenn die Bedienung eines Tageskontos sicher nicht zu den komplexesten Aufgaben gehört, die es im Zusammenhang mit Bankprodukten zu bewältigten gibt, so bedeutet ein neues Konto doch in den meisten Fällen eine gewisse Umstellung. Eine weitere Umstellung ist es zudem, wenn das bisherige Tagesgeldkonto beim gleichen Institut geführt wurde, wie auch das Girokonto. Wenn man es nämlich in diesem Zusammenhang gewohnt war, dass Überweisungen, die vom Tagesgeldkonto zum Girokonto getätigt worden, ohne Zeitverlust zur Verfügung standen, so ist im Falle einer Überweisung von einem Tagesgeldkonto, welches bei einer anderen Bank geführt wird als das Girokonto, mit mindestens einem Arbeitstag Verzögerungen zu rechnen, bis das entsprechende Guthaben auf dem Girokonto zur Verfügung steht. Während der Zinsverlust, der bei dieser Verzögerung möglicherweise entsteht, weitgehend vernachlässigt werden kann, kann diese Verzögerungen zu einem Problem werden, wenn in letzter Minute Geld auf das Konto überwiesen werden soll, etwa um ausreichendes Guthaben für eine Abbuchungen zur Verfügung zu stellen. Auch wenn diese Punkte von einigen als Kleinigkeiten betrachtet werden, sollten diese vor einem eventuellen Wechsel in jedem Fall bedacht werden.

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Der Wechsel selber ist sehr unkompliziert möglich

Hat sich der Sparer jedoch einmal für den Wechsel entschieden, so muss er sich auf keinen großen Aufwand einstellen, der in diesem Zusammenhang auf ihn zukommt. Anders als bei einem Girokonto, über welches eine Vielzahl von Transaktionen abgewickelt wird, wird das Tagesgeldkonto ausschließlich in Verbindung mit einem bestehenden Girokonto geführt, welches als Referenzkonto fungiert. Dabei ist es auch kein Problem, wenn ein Girokonto für mehrere Tagesgeldkonten als Referenzkonto eingesetzt wird.

Der Sparer, der sich für ein neues Tagesgeldkonto entscheidet, muss sich also über einen umfangreichen Kontowechsel keine Gedanken machen. Tagesgeldkonten werden zwar von nahezu allen privaten Banken angeboten, nach unserer Erfahrung stammen die besten Angebote jedoch größtenteils von Direktbanken, d.h. von Banken, die keinerlei Filialen anbieten. Und auch bei Tagesgeldangeboten von klassischen Filialbanken handelt es sich in einem Großteil der Fälle um Online Konten, bei denen auch der Eröffnungsprozess ausschließlich über das Internet abgewickelt wird.

Nach unserer Erfahrung bietet diese Variante ohnehin deutliche Vorteile gegenüber der Kontoeröffnung in der Filiale. Neben dem Umstand, dass die Eröffnung faktisch zu jeder Tages- und Nachtzeit vorgenommen werden kann, müssen auch keine Wartezeiten an einem Schalter in Kauf genommen werden. In aller Regel ist der Vorgang, der für die Eröffnung eines neuen Kontos notwendig ist, auch bei allen Instituten nahezu identisch, was auch daran liegt, das wesentliche Schritte dieses Prozesses durch den Gesetzgeber vorgeschrieben sind. Um den Eröffnungsprozess auszulösen, ist es zunächst notwendig, die Internetseite des entsprechenden Bankinstitutes aufzusuchen. Hat der Bankkunde das Angebot über ein Vergleichsportal gefunden, so wird ihm zumeist auch ein entsprechender Link zu der Seite angeboten, von der aus der Eröffnungsprozess gestartet werden kann.

Nur zwei Schritte zum Konto: Antragsformular und Legitimation

Der Eröffnungsprozess selber beinhaltet die Erfassung einiger persönlicher Daten, wie Name, Geburtsdatum, Wohnadresse und beruflicher Hintergrund, sowie die Bestätigung einiger Erklärungen zum Datenschutz oder zu den allgemeinen Geschäftsbedingungen des Instituts. Auch Daten für das Girokonto, welches als Referenzkonto genutzt werden soll, werden bei diesem Anmeldungsvorgang angegeben. Bis das Formular vollständig ausgefüllt ist, vergehen selten mehr als zehn Minuten. Danach kann der vollständige Antrag ausgedruckt und vom zukünftigen Kontoinhaber unterschrieben werden. Für die Eröffnung des Kontos ist es nun noch notwendig, dass die Unterlagen an das Bankinstitut verschickt werden und sich der zukünftige Kontoinhaber formal legitimiert. Das heißt, dass er seine Identität gegenüber dem Bankinstitut nachweist. Während dieser Vorgang bei einigen Filialbanken auch vor Ort durchgeführt werden kann, wird die Legitimation klassischer Weise mit dem sogenannten Postident Verfahren erledigt. Hierfür ist es nun noch notwendig, dass sich der Antragsteller mit einem gültigen Ausweisdokument in eine Post Filiale begibt, und diesen Vorgang gemeinsam mit einem Mitarbeiter vor Ort abwickelt.

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Sind diese Schritte erledigt, dauert es nun je nach Bankinstitut noch etwa vier bis acht Werktage, bis die erforderlichen Unterlagen beim Antragsteller eingehen. Zu diesem Zeitpunkt ist das Konto bereits vollständig eingerichtet und kann von nun an genutzt werden. Das heißt, unter Angabe der Kontoverbindung kann vom Girokonto aus Guthaben auf das Tagesgeldkonto überwiesen werden.

Prinzipiell kann das alte Konto nun gekündigt werden, eine zwingende Voraussetzung für einen vollständigen Wechsel ist dies jedoch nicht. Unter Umständen vermeidet der Kontoinhaber damit jedoch Kosten, etwa wenn die Jahresabrechnung für das alte Konto oder Informationen über Zinsänderungen kostenpflichtig zugestellt werden müssen.

Ebenfalls erledigt werden sollte nach Möglichkeit die Übertragung des Freistellungsauftrages auf das neue Institut, da sonst die Kapitalertragssteuern auf die erzielten Zinsen automatisch abgeführt werden.

Fazit – Ein Wechsel des Tagesgeldkontos bedeutet kaum Aufwand

Wer stets die besten Zinsen auf täglich verfügbare Einlagen erhalten will, kommt nicht daran vorbei, sein Tagesgeldkonto zu wechseln. Da es sich bei den besten Angeboten um Eröffnungsangebote handelt, bei denen die attraktiven Zinsen nur für einige Monate gelten, muss dieser Vorgang auch mehrfach wiederholt werden. Der hierfür notwendige Aufwand ist zwar überschaubar, macht aber langfristig trotzdem Mühe. Hierzu sollte der Sparer grundsätzlich bereit sein, ansonsten bieten sich eher Angebote an, bei denen ein langfristig guter Zins gilt. Solche Konten kommen allerdings nicht an die Spitzenangebote heran. Grundsätzlich bietet der Markt aber eine große Auswahl an attraktiven Tagesgeldkonten, so dass diese Strategie durchaus langfristig betrieben werden kann.

Zum Abschluss möchten wir noch einige Beispiele von attraktiven Angeboten für Tagesgeldkonten vorstellen. Ein Angebot, welches derzeit die Ranglisten dominiert, ist das Tagesgeldkonto der Audi Bank. Diese bietet ihren neuen Kunden für den Zeitraum von vier Monaten den Zinssatz von 1,25 Prozent, für einen Betrag von bis zu 100.000 Euro. Nach dieser Eröffnungsphase wird auf das Guthaben dann ein Zinssatz von 0,3 Prozent gezahlt. Deutlich länger können Kunden von einem Eröffnungsangebot bei der Consorsbank profitieren. Diese bietet ihren attraktiven Zinssatz von einem Prozent sogar für ein ganzes Jahr an. Allerdings gilt dieses Angebot nur für ein Guthaben von 20.000 Euro. Nach diesem ersten Jahr beträgt der reguläre Zins dann nur noch 0,2 Prozent. Und auch die Ing-DiBa versucht, neue Kunden mit einem Eröffnungsangebot zu locken. Für vier Monate zahlt sie einen Zinssatz von ebenfalls einem Prozent, wobei dieses Angebot für die ersten 100.000 Euro gilt. Durchaus attraktiv ist auch der Zins, den der Sparer danach erwarten kann: Bei immerhin 0,5 Prozent liegt der reguläre Zins bei diesem Institut. Dazu muss allerdings angemerkt werden, dass Zinsraten auf Tagesgeld täglich verändert werden können, und es keinerlei Garantie dafür gibt, dass nach Ende der Eröffnungsphase dieser Zins noch gilt.