Tagesgeldkonto kündigen – das gilt es zu beachten

von A.Schwankowksi 2017

Spätestens nachdem es seit einigen Jahren keine Zinsen mehr auf Einlagen auf dem privaten Girokonto gibt, haben Tagesgeldkonten Hochkonjunktur. Bietet diese Anlageform doch die einzige Möglichkeit, Guthaben, über welches der Sparer tag-täglich verfügen möchte, sicher und gleichzeitig zu einem einigermaßen vertretbaren Zins zu verwalten. Doch auch bei den meisten Tagesgeldkonten wachsen die Bäume mit Blick auf die Zinsen schon lange nicht mehr in den Himmel. Bei einer durchschnittlichen Zinsrendite bei Tagesgeldkonten in Deutschland von derzeit etwa 0,2 Prozent (Stand April 2016) halten sich die jährlichen Erträge ebenfalls in sehr übersichtlichen Grenzen. Wer mehr will, kann versuchen, mit sogenannten Eröffnungsangeboten, seinen Zinsertrag deutlich zu optimieren.

Dabei bieten die Bankinstitute für einen begrenzten Zeitraum Zinsen von bis zu 1,25 Prozent p.a., und garantieren dabei sogar noch den Zinssatz für einen festen Zeitraum. Da dieser Zeitraum in den meisten Fällen bei nur drei oder vier Monaten liegt, sind Sparer, die dauerhaft von einer höheren Zinsrendite profitieren wollen, mehr oder weniger dazu gezwungen, kontinuierlich neue Tagesgeldkonten zu eröffnen. Um den Überblick nicht zu verlieren, sowie um unnötige Folgekosten zu vermeiden, erweist es sich nach unserer Erfahrung als sehr sinnvoll, nicht genutzte Tagesgeldkonten ordnungsgemäß zu kündigen. In den folgenden Abschnitten möchten wir uns mit der Frage beschäftigen, was Sie in diesem Zusammenhang beachten sollten, und wie Sie im Einzelfall vorgehen.

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Muss ein Tagesgeldkonto überhaupt gekündigt werden?

Grundsätzlich handelt es sich bei einem Tagesgeldkonto um ein sehr kundenfreundliches Produkt. Mit dessen Eröffnung geht der Kunde nämlich keine Verpflichtungen ein, und solange er darauf achtet, dass es sich um ein kostenloses Tagesgeldkonto handelt, fallen auch langfristig keine Gebühren an, unabhängig davon, ob das Konto nun genutzt wird oder nicht. Aus dieser Sicht gibt es prinzipiell auch keinen zwingenden Grund, warum ein Tagesgeldkonto gekündigt werden sollte, wenn es der Kunde nicht mehr nutzt. Zunächst können für die vorübergehende Nichtnutzung des Kontos durchaus verschiedene Gründe vorliegen. Unter anderem ist es durchaus üblich, dass der Kontoinhaber das Geld benötigt, und es von seinem Tagesgeldkonto abhebt. Dies kann etwa der Fall sein, wenn das Tagesgeldkonto dazu genutzt wird, um für eine größere Anschaffung Geld anzusparen. Ist das Sparziel erreicht, und die Anschaffung wird getätigt, wird das Tagesgeldkonto zunächst einmal leergeräumt, um im Anschluss erneut Geld auf dem Konto anzusparen. Das Konto vollständig zu räumen, muss also nicht damit einhergehen, das Konto in Zukunft dauerhaft nicht mehr zu benutzen.

Ein weiterer, derzeit sicher nicht ganz seltener Grund, das Guthaben vom aktuellen Tagesgeldkonto komplett abzuziehen, kann aber auch darin liegen, dass der Sparer ein besseres Angebot bei einem anderen Institut gefunden hat. Nachdem das neue Konto eröffnet ist, wird das Guthaben über das eigene Girokonto vom alten auf das neue Tagesgeldkonto transferiert. Doch auch in diesem Fall gibt es prinzipiell keine Notwendigkeit, das alte, und nun nicht mehr genutzte Konto zu kündigen. Denn grundsätzlich können beliebig viele Tagesgeldkonten im Zusammenhang mit einem Girokonto geführt werden auch hier gibt es keine rechtliche Begrenzung.

Gerade für Sparer, die stets die besten Angebote der Institute in Bezug auf das Tagesgeld nutzen, kann es aber aus verschiedenen Gründen sehr sinnvoll sein, dass nicht mehr genutzte Tagesgeldkonto ordnungsgemäß zu kündigen.

Warum sollte das Tagesgeldkonto trotzdem gekündigt werden?

Auch wenn rein formal sowie aus rechtlichen Gründen keine Notwendigkeit besteht, das Tagesgeldkonto zu kündigen, wenn es nicht mehr genutzt wird, sprechen doch einige Gründe dafür, dies trotzdem zu tun. Letztendlich haben auch diese Gründe mit Geld und damit mit der möglichen langfristigen Rendite zu tun, die ein Sparer mit Tagesgeldkonten erzielen kann. Zunächst die wichtigsten Gründe im Überblick:

  • Bessere Übersicht über eigene Finanzen
  • Vermeiden von unnötigen Kosten
  • Um zu einem späteren Zeitpunkt wieder als Neukunde zu gelten

Im Prinzip lassen sich drei Gründe unterscheiden, die für eine ordnungsgemäße Kündigung des Tagesgeldkontos sprechen, sofern dieses nicht mehr genutzt werden sollte. Zunächst geht es ganz einfach um den Grund, möglichst klare Strukturen in Bezug auf die eigenen Finanzen zu schaffen. Auch wenn es sich nur um eine passive Nutzung handelt: Je mehr Produkte dabei gleichzeitig genutzt werden, desto größer ist die Gefahr, dass der Sparer den Überblick verliert, auf welchem Konto sich derzeit eigentlich sein Geld befindet. Schließlich müssen für jedes Konto eigene Unterlagen vorgehalten werden, wie etwa die Zugangsdaten, oder die Transaktionsnummern, so dass sich ein unnötiger Berg von Akten und Unterlagen ansammelt, und unter Umständen lange gesucht werden muss, bis die richtigen Unterlagen zur Hand sind.

Der fehlende Überblick über die aktiven Konten kann aber auch ganz handfeste finanzielle Folgen haben. Denn auch wenn die Kontoführung von Tagesgeldkonten in der Regel kostenlos ist, so heißt dies nicht, dass unter Umständen trotzdem Kosten anfallen können. Dies ist etwa der Fall, wenn Informationen an den Kontoinhaber weitergeleitet werden sollen, zu deren Weitergabe sich die Bank rechtlich verpflichtet hat. Dies kann etwa bei der Übermittlung der jährlichen Kontoauszüge der Fall sein, oder etwa bei einer Mitteilung über eine Änderung der Geschäftsbedingungen oder auch des gültigen Zinssatzes. Wurde mit der Bank vereinbart, dass diese Informationen über das Postfach in Online Account zugestellt werden, so ist es in der Regel notwendig, dass der Bankkunde die Kenntnisnahme bestätigt. Unterbleibt ein Abruf, bzw. eine Bestätigung der Kenntnisnahme, werden die Dokumente kostenpflichtig zugestellt.

Eine Kündigung eines nicht mehr genutzten Tagesgeld Kontos kann aber auch aus dem Grund sinnvoll sein, um zu einem späteren Zeitpunkt wieder als neuer Kunde zu gelten, und erneut von einem lukrativen Eröffnungsangebot profitieren zu können. Viele Institute haben hierfür Fristen festgelegt, die zwischen sechs Monaten und einem Jahr liegen. Bei anderen Anbietern darf der Kunde allerdings niemals ein Konto bei dem entsprechenden Institut besessen haben, um als Neukunde zu gelten.

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Wie geht man konkret bei der Kündigung vor?

Ebenso einfach, wie ein Tagesgeldkonto bei einer Bank eröffnet werden kann, so leicht lässt es sich nach unserer Erfahrung auch wieder kündigen. Grundsätzlich stehen hierfür zwei Möglichkeiten zur Verfügung. Zum einen bieten die allermeisten Institute Formulare auf ihren eigenen Webseiten an, die für diesen Zweck genutzt werden können. In vielen Fällen kann die Kündigung so auch online erfolgen. Darüber hinaus bieten viele Webseiten entsprechende Kündigungsvordrucke an, mit denen dieser Vorgang ebenfalls mit sehr geringem Aufwand erledigt werden kann.

Notwendig sind auf dem Kündigungsschreiben in jedem Fall die Kontonummer, sowie die persönlichen Daten des Kontoinhabers, sowie die klare Formulierung, dass das Konto gekündigt werden soll. Eine Begründung ist dagegen nicht erforderlich. Abgeschlossen ist eine Kündigung dann mit der Bestätigung, die entweder per Post oder auch per Email dem Kunden zugestellt wird. Diese Bestätigung sollte sich der Bankkunde nach Möglichkeit einige Jahre aufbewahren, um im Zweifelsfall nachweisen zu können, dass das Konto tatsächlich gekündigt wurde. Die Kündigungsbestätigung erhält der Kontoinhaber in der Regel nach einigen wenigen Werktagen. Ist das Bestätigungsschreiben nach mehr als zehn Werttagen noch nicht eingetroffen, sollte nach Möglichkeit persönlich nachgefragt werden. Neben der Servicehotline bietet sich hierzu auch die offizielle Email Adresse oder das Email Formular der Bank an. Nach unserer Erfahrung verhalten sich die Banken aber in diesen Fällen ausgesprochen kooperativ, so dass nicht mit Problemen zu rechnen ist.

Ein wichtiger Schritt, der im Rahmen einer Kündigung des Tagesgeldkontos nicht vergessen werden sollte, ist die Übertragung des jeweiligen Freistellungsauftrages. Der Freistellungsauftrag wird einer Bank erteilt, damit diese dazu berechtigt ist, die fälligen Zinsen vollständig, also ohne Abzug der Kapitalertragssteuer, dem Bankkunden gutzuschreiben. Um diesen Vorteil auch beim nächsten Tagesgeldkonto in voller Höhe in Anspruch nehmen zu können, ist es notwendig, diesen vom alten Institut zum neuen zu übertragen. Auch dies kann mit einer einfachen Mitteilung an die beiden beteiligten Institute erledigt werden.

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Fazit – Kleine Mühe der Kündigung bringt eher Vorteile als Nachteile

Auch wenn es aus rein rationalen oder auch rechtlichen Gründen keine zwingende Notwendigkeit dazu gibt, ein Tagesgeldkonto zu kündigen, sobald es nicht mehr genutzt wird, sprechen mehr Gründe dafür dies trotzdem zu tun, als dagegen. Nach unserer Erfahrung empfiehlt es sich vor allem aus Gründen der Übersicht, sowie zur Vermeidung von eventuellen Folgekosten, das Konto zu kündigen, nachdem ein neues eröffnet wurde. Insbesondere Sparer, die das sogenannte Tagesgeld-Hopping betreiben, also immer das beste Angebot nutzen, erhalten sich auf diese Weise gleichzeitig die Chance, so schnell wie möglich wieder als neuer Kunde zu gelten.

Tatsächlich bieten sich allein für Neukunden die besten Chancen auf hohe Zinsen, wie u.a. das Angebot der Audi Bank zeigt. Diese bietet bei Neueröffnung eines Tagesgeldkontos aktuell einen Zinssatz von 1,25 Prozent p.a., und zwar für 100.000 Euro und für volle vier Monate. Im Anschluss fällt der reguläre Zins auf den Satz von 0,3 Prozent. Deutlich länger kann der Kontoinhaber einen attraktiven Zins bei der Consorsbank nutzen. Für Einlagen von bis zu 20.000 Euro bietet das Institut derzeit ein Prozent für ein komplettes Jahr. Nach dieser Frist fällt der Zinssatz dann auf ein Niveau von 0,2 Prozent. Ein drittes Angebot, welches derzeit sehr attraktive Zinsen bietet, ist das Tagesgeld Konto der 1822direkt, einer Direktbank Tochter der Frankfurter Sparkasse. Für die Zeit von drei Monaten kann der Sparer hier Zinsen in Höhe von einem Prozent kassieren, und zwar ebenfalls für den Betrag von maximal 20.000 Euro. Nach Auslaufen dieses Eröffnungsangebotes sind bei diesem Institut dann immer noch 0,4 Prozent möglich.