Mögliche Gebühren bei Tagesgeldkonten

von A.Schwankowksi 2017

Wer ein Tagesgeldkonto eröffnet, kann in aller Regel damit rechnen, mit seinem Geld eine kleine dafür aber sichere Rendite zu erzielen. Denn das niedrige Zinsniveau, welches derzeit am Kapitalmarkt herrscht, geht natürlich nicht an den Angeboten vorbei, die die Banken ihren Kunden auch bei einem Konto für Tagesgeld unterbreiten. Während es mittlerweile sogar Tagesgeldkonten gibt, bei denen überhaupt kein Zins mehr gezahlt wird, sind bei besseren Angeboten zumindest Zinsrenditen von bis zu 0,5 Prozent p.a. drin, während die durchschnittliche Rendite aktuell nur noch bei etwa 0,2 Prozent liegt. Der einzige Trost für die Sparer kann darin gesehen werden, dass auch die Inflation zurzeit extrem gering ist, so dass zumindest keine nennenswerte Entwertung des Geldvermögens zu befürchten ist.

consorsbank_zinsgarantie

Angesichts der mageren Zinsen, die, wenn überhaupt, auf Einlagen auf dem Tagesgeldkonto gezahlt werden, ist es umso wichtiger, darauf zu achten, dass die Rendite so wenig wie möglich durch zusätzliche Kosten oder Gebühren gedrückt wird. Zwar werden die allermeisten Tagesgeldkonten grundsätzlich kostenlos angeboten, d.h. weder für die Eröffnung, noch für die Kontoführung, aber auch für die Kündigung eines Tagesgeldkontos werden nicht irgendwelche Kosten verlangt. Trotzdem ist der Kontoinhaber keineswegs davor sicher, dass die Banken Geld für zusätzliche Dienstleistungen verlangen. Zunächst haben wir einige Möglichkeiten zusammengestellt, in deren Zusammenhang es auch bei einem grundsätzlich kostenlosen Tagesgeldkonto zu zusätzlichen Gebühren bzw. ungeplanten Kosten kommen kann:

  • Gebühren für Nachsendung nicht abgerufener Kontoauszüge
  • Porto für Versand von Dokumenten
  • Gebühren für Nachforschungsaufträge
  • Nutzung ohne Online Zugang
  • Zusätzliche Kosten bei Kombiangeboten
  • Gebühren bei Inaktivität

Bei allen hier dargestellten Möglichkeiten handelt es sich um Kosten, die nur unter besonderen Umständen entstehen. In den folgenden Abschnitten soll die Frage geklärt werden, in welchen Fällen diese Kosten entstehen können, und natürlich, wie der Kontoinhaber diese Kosten langfristig vermeiden kann.

Grundsätzlich sind Tagesgeldkonten kostenlos

Grundsätzlich können Bankkunden davon ausgehen, dass Tagesgeldkonten vollständig kostenlos angeboten werden. Trotzdem sollten Kunden bestimmte Kostenfallen im Blick haben, um nicht eine böse Überraschung zu erleben, die in den meisten Fällen auch nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Es gilt also, diese Kostenfallen bereits im Vorfeld weiträumig zu umschiffen. Weiterhin darf bei einigen Banken vermutet werden, dass auch auf die Trägheit von Bankkunden spekuliert wird, um sich so über die anfallenden Gebühren zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen. Während aber in den Werbeprospekten und in den Anzeigen die kostenfreie Kontoführung hervorgehoben werden, finden sich die Hinweise auf Sondergebühren und versteckte Kosten maximal im Kleingedruckten, oder auch nur in den allgemeinen Geschäftsbedingungen. Und nur die wenigsten werden sich bei der Eröffnung eines Kontos die Zeit nehmen, die AGB vollständig zu lesen. Wichtig ist zunächst die Erkenntnis, dass eigentlich alle Kosten durch ein vorausschauendes Verhalten vermieden werden können.

ingdiba_zinsen

Kosten für die Zustellung von Dokumenten

Eine wichtige Quelle für zusätzliche Kosten kann die Nach- oder Zusendung von Dokumenten sein, zu der die Banken unter Umständen sogar verpflichtet sind. Hier sollte bereits bei der Eröffnung des Kontos darauf geachtet werden, dass entsprechende Dokumente ausschließlich online zugestellt werden sollen. Wenn dies nicht im Rahmen des Eröffnungsantrags festgelegt werden kann, so findet sich im Online Account eine entsprechende Einstellung. Allerdings ist es noch nicht damit getan, auf eine reine Online Zustellung umzustellen, der Kunde muss die Dokumente von seinem digitalen Postfach auch regelmäßig abgerufen. Versäumt er dies, ist die Bank dazu verpflichtet, die nicht abgerufenen Dokumente als Zwangsdokument postalisch zuzustellen, was entsprechende Kosten für Porto sowie eventuell zusätzliche Gebühren nach sich zieht. Hierzu kann es allein schon dadurch kommen, dass der Kontoinhaber einfach Geld auf sein Konto einzahlt und es für längere Zeit liegen lässt, ohne sich weiter damit zu beschäftigen. Online zugestellte Kontoauszüge oder auch Infos über Veränderungen der Geschäftsbedingungen werden so häufig nicht bemerkt. Viele Banken bieten es in diesem Zusammenhang an, ihre Kunden per Email darüber zu informieren, das neue Nachrichten im Postfach warten.

Darüber hinaus kann es in diesem Zusammenhang zu zusätzlichen Kosten kommen, wenn die postalische Zustellung nicht klappen sollte. Dies kann etwa der Fall sein, wenn der Kunde seine Adresse wechselt, oder etwa durch eine Heirat einen neuen Namen annimmt. Kann ein Brief von der Bank an den Kunden nicht ordnungsgemäß zugestellt werden, wird durch die Bank in aller Regel ein sogenannter Nachforschungsauftrag ausgelöst, welcher ebenfalls mit stattlichen Gebühren für den Kunden verbunden ist. Während die Versendung eines Dokuments per Post neben den Portogebühren maximal eine Gebühr von 0,70 Euro nach sich zieht, können die Kosten für einen Nachforschungsauftrage gut und gerne 50 Euro betragen. Um dies zu umgehen, sollte der Bankkunde alle Adressänderungen unverzüglich seinem Institut mitteilen. Häufig lässt sich dies in wenigen Schritten über den Online Account erledigen. Nur in wenigen Fällen muss hierfür die Bank persönlich kontaktiert werden.

ingdiba_tagesgeld

Kosten bei der Offline Nutzung

Kosten können darüber hinaus drohen, wenn der Kunde darauf angewiesen ist, Transaktionen offline vorzunehmen. Zumeist handelt es sich bei kostenlosen Tagesgeldkonten um Angebote reiner Direktbanken, und auch wenn das Konto von einer klassischen Filialbank angeboten wird, ist in aller Regel ausschließlich ein Online Zugang im Rahmen der kostenlosen Kontoführung vorgesehen. Nun kann es aber selbst in unserer technologisch hoch entwickelten Gesellschaft dazu kommen, dass das Internet in einen bestimmten Zeitraum nicht verfügbar ist. Unabhängig von den Gründen dafür hat dies für den Kontoinhaber zur Folge, dass er nicht über sein Konto verfügen kann. Insbesondere wenn der Kunde darauf angewiesen ist, schnell über das Geld auf seinem Tagesgeldkonto zugreifen zu müssen, kann es zu Problemen kommen.

Normalerweise steht für Tagesgeldkonten auch nicht das Terminal in der entsprechenden Bankfiliale zur Verfügung, so dass in aller Regel auf den telefonischen Service zurückgegriffen werden muss. Dieser ist wiederum bei den meisten Banken mit zusätzlichen Gebühren verbunden. Dies gilt genauso, wenn bei einer Filialbank die Transaktion am Schalter in Auftrag gegeben wird. Um derartige Kosten zu umgehen, sollte der Kontoinhaber also immer alternative Möglichkeiten für den Online Zugang bereithalten. Denkbar ist hier etwa der Internetzugang von Freunden und Bekannten, aber natürlich auch eine Banking App, mit der per Mobiltelefon Überweisungen vom Tagesgeldkonto auf das Girokonto in Auftrag gegeben werden können. Die Apps selber werden in den meisten Fällen kostenlos von den Instituten zur Verfügung gestellt.

Weitere Möglichkeiten für Kosten bei der Kontonutzung

Neben den genannten Möglichkeiten gibt es noch einige weitere Kosten, die unter Umständen auf einen Nutzer von Tagesgeldkonten zukommen können. Dabei handelt es sich allerdings um Sonderbedingungen, auf die im Rahmen des Angebotes, also etwa auf dem Verkaufsprospekt, eindeutig hingewiesen werden muss. Die erste Form von Kosten tritt hin und wieder im Zusammenhang mit sogenannten Kombiangeboten auf. Dabei wird etwa ein besonders günstiges Tagesgeldkonto in Verbindungen mit einem Girokonto angeboten. Während auf das Tagesgeldkonto attraktive Zinsen gezahlt werden, gelten für das Girokonto unter Umständen spezielle Bedingungen. So kann das Girokonto etwa nur dann dauerhaft kostenlos geführt werden, wenn ein regelmäßiger Gehaltseingang zu verzeichnen ist, oder wenn ein bestimmtes Guthaben bei der Bank hinterlegt wird. Werden diese Bedingungen auch nur kurzzeitig nicht eingehalten, so entstehen Gebühren für die Kontoführung, die für einen bestimmten Abrechnungszeitraum erhoben werden. Geht also innerhalb eines Quartals nur einen Monat kein Gehalt in entsprechender Höhe ein, wird die Kontoführungsgebühr für das komplette Quartal erhoben.

audibank_tagesgeld

Eine zweite Gebühr, die, wenn auch sehr selten, im Zusammenhang mit Tagesgeldkonten erhoben wird, ist eine Art Inaktivitätsgebühr. Grundsätzlich ist eine Bank natürlich daran interessiert, dass auf dem Tagesgeldkonto auch Geld hinterlegt ist, das Konto also auch genutzt wird. Für den Fall, dass sich für eine bestimmte Zeit kein Guthaben auf dem Tagesgeldkonto befindet, wird von einigen wenigen Banken eine sogenannte Inaktivitätsgebühr verlangt. Mitunter ist diese Gebühr auch an ein bestimmtes Mindestguthaben gebunden, welches sich auf dem Tagesgeldkonto befinden muss.

Eine solche Gebühr lässt sich im Prinzip nur umgehen, wenn der entsprechende Betrag auf dem Konto vorgehalten wird, oder, sollte dies dem Kontoinhaber nicht möglich sein, das Konto so schnell wie möglich gekündigt wird. Dies ist nach unserer Erfahrung aber bei allen Banken kostenlos möglich.

Fazit – Gebühren lassen sich einfach umschiffen

In den vorangegangenen Abschnitten haben wir eine ganze Reihe von Möglichkeiten aufgezählt, bei denen auch bei der Führung von Tagesgeldkonten zusätzliche Kosten drohen. Allerdings, so unsere Erfahrung, lassen sich die Gefahren zusätzlicher Kosten relativ einfach kontrollieren, wenn einige wenige Grundsätze beachtet werden. Dies ist wichtig, um die ohnehin schon mageren Zinsen, die auf Tagesgeld gezahlt werden, nicht noch weiter zu schmälern. Zum Abschluss haben wir noch einige gute Angebote für Tagesgeld zusammengestellt.

Ein vergleichsweise attraktives Angebot bietet derzeit die Audi Bank, die ihren Kunden auf das Tagesgeld 1,25 Prozent Zinsen p.a. bietet. Allerdings gilt dieses Angebot nur für die ersten vier Monate nach Eröffnung des Kontos, danach fällt der Zins auf nur noch 0,3 Prozent pro Jahr. Das Angebot gilt für 100.000 Euro. Nur für 20.000 Euro, dafür aber für ein komplettes Jahr, gilt das Angebot der Consorsbank mit einem Zinssatz von einem Prozent. Im Anschluss fällt der Zinssatz dann auf nur noch 0,2 Prozent. Vor allem langfristig attraktiv erscheint aus derzeitiger Sicht das Tagesgeldkonto der ING DiBa, die ihren Kunden für Einlagen bis zu 100.000 Euro zunächst ein Prozent für die ersten vier Monate bietet und im Anschluss an diese Phase dauerhaft 0,5 Prozent in Aussicht stellt.

Gleichwohl bleibt anzumerken, dass es bei Tagesgeld über die Eröffnungsangebote hinaus keinerlei Garantie gibt, dass ein bestimmter Zins nicht kurzfristig korrigiert wird.