Tagesgeldkonto eröffnen: So gehen Sie konkret vor

von A.Schwankowksi 2017

Zu einem vorausschauenden Management der privaten Finanzen gehört es unter anderem, einen finanziellen Puffer vorzuhalten, mit dem der Kontoinhaber auf unvorhergesehene Ausgaben schnell reagieren kann. Eine Möglichkeit, um sich für die Eventualitäten des Lebens finanziell zu wappnen, besteht darin, sich einen Dispositionskredit einrichten zu lassen. Darüber hinaus schlafen jedoch viele ruhiger, wenn sie sich auch auf ein tatsächlich vorhandenes Guthaben verlassen können, das sich auf ihrem Konto befindet. Die Beantwortung der Frage über die konkrete Höhe, die diese finanzielle Reserve umfassen soll, hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab.

Unter anderem natürlich davon, wie groß der entsprechende Haushalt ist, der über ein Konto finanziert wird. Darüber hinaus hängt es natürlich auch vom persönlichen Sicherheitsbedürfnis ab. Als Daumenregel kann gelten, dass etwa zwei bis drei Monatsgehälter ein durchaus solides Finanzpolster bilden können. Gemeinsam mit einem Dispositionskredit ergibt sich damit ein durchaus respektabler finanzieller Spielraum für unvorhergesehene Ereignisse. Zu denken ist dabei u.a. an eine unvorhergesehen eingetretene Arbeitslosigkeit und die Kosten für einen dadurch ausgelösten kurzfristigen Umzug. Ebenso kann das Auto kaputt gehen oder die Waschmaschine aussteigen. Wer in solchen Fällen nicht gleich auf einen Kredit von der Bank angewiesen sein möchte, ist mit einem soliden Finanzpolster auf der sicheren Seite.

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Ein Tagesgeldkonto für die finanzielle Reserve

Wer seinen privaten Notgroschen nicht komplett unverzinst auf dem Girokonto liegen lassen möchte, kommt dabei an einem Tagesgeldkonto nicht vorbei. Während seit einigen Jahren und wohl auch für die unmittelbare Zukunft eine Änderung einer Situation mit extrem niedrigen Zinsen nicht in Sicht ist, und für Einlagen auf dem Girokonto weiterhin keinerlei Zinsen zu erwarten sind, können mit einem entsprechenden Tagesgeldkonto immerhin bis zu einem Prozent und mehr an Zinsen erwirtschaftet werden. Bei einem Betrag von durchschnittlich 5.000 Euro kommen dabei aufs Jahr gerechnet immerhin 50 Euro Zinsertrag heraus. Wer eine solche Summe nicht zu verschenken hat, sollte sich so schnell wie möglich nach einem passenden Tagesgeldkonto umschauen. Der Markt ist in jedem Fall voll von entsprechenden Angeboten, und die Mühe, die für die Eröffnung eines solchen Kontos notwendig ist, kann nach unserer Erfahrung als sehr überschaubar angesehen werden. Bevor wir auf die Frage zu sprechen kommen, was bei der Eröffnung eines Tagesgeldkontos zu beachten ist, möchten wir noch einige wenige Hinweise geben, wie der Sparer gezielt zum passenden Konto findet.

Vor der Eröffnung steht die Entscheidung für das passende Angebot

Tagesgeldkonten werden praktisch von jeder Bank angeboten. Der Sparer muss nun aber nicht die Angebote jeder einzelnen Bank analysieren. Nach unserer Erfahrung reicht es aus, sich in einem Vergleichsportal zu orientieren. Dabei sollten Bankkunden aber bedenken, dass es sich bei den Zinsen, die im Zusammenhang mit den besten Tagesgeldangeboten in Aussicht gestellt werden, in den allermeisten Fällen um zeitlich befristete Angebote handelt. Das heißt, dass der besonders attraktiv wirkende Zins nur für eine bestimmte Dauer, in der Regel die ersten drei bzw. vier Monate nach Eröffnung gezahlt wird. Aus diesem Umstand lassen sich unterschiedliche Strategien ableiten, die auch mit der Frage zu tun haben, wie sich ein solches Konto eröffnen lässt. Will nämlich der Sparer dauerhaft von überdurchschnittlichen Zinsen auf das Tagesgeld profitieren, kommt er nicht daran vorbei, alle drei bzw. vier Monate ein neues Tagesgeldkonto zu eröffnen. Das heißt auf der anderen Seite, dass jedes Mal ein vollständiger Antragprozess durchlaufen werden muss. Dies ist rechtlich und praktisch durchaus möglich. Bevor sich der Sparer jedoch für diese Strategie entscheidet, sollte er sich darüber klar werden, ob er zu dem bürokratischen Aufwand, der damit verbunden ist, wirklich bereit ist. Ist dies nicht der Fall, sollte bei der Auswahl des passenden Tagesgeldkontos auch darauf geachtet werden, wie hoch der Zins ist, der nach dem Auslaufen der Eröffnungsphase gilt.

Eine dritte Möglichkeit besteht darüber hinaus auch darin, ein Tagesgeldkonto zu eröffnen bzw. zu nutzen, welches von der Bank angeboten wird, bei der aktuell das Girokonto geführt wird. Ist der Kontoinhaber mit dem hier angebotenen Zinssatz zufrieden, kann er auch ohne sehr großen Aufwand ein Tagesgeldkonto eröffnen. Im Idealfall reicht hierzu eine Freischaltung über den Online Account des bestehenden Girokontos oder eine Mitteilung an die Bank aus.

Für diesen Beitrag gehen wir aber von dem Fall aus, dass ein neues Tagesgeldkonto bei einer Bank eröffnet wird, bei der der Kunde bisher noch kein Kunde ist. Im Übrigen stellt dies mitunter eine zwingende Voraussetzung dafür dar, dass ein entsprechendes Eröffnungsangebot überhaupt genutzt werden darf. Bestandskunden sind in der Regel von besonders attraktiven Eröffnungsangeboten ausgeschlossen.

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So gehen Sie konkret bei der Eröffnung vor

Wurde das Tagesgeldkonto ausfindig gemacht, welches aus Sicht des Sparers am besten passt, braucht es für die Nutzung nur noch eröffnet werden. Nach unserer Erfahrung handelt es sich bei allen aktuell verfügbaren Tagesgeldkonten, die einen nennenswerten Zins zahlen, um Online Konten. Das heißt, diese Tagesgeldkonten können nicht nur vollständig online geführt werden, sondern lassen sich auch online eröffnen. Ausgangspunkt ist in allen Fällen die Internetseite des Anbieters. Nachdem zu der entsprechenden Produktseite des Tagesgeldkontos navigiert wurde, findet sich dort eine Schaltfläche, mit der der Eröffnungsprozess gestartet werden kann. Für die Eröffnung eines neuen Kontos werden durch das Geldinstitut zwei Dokumente gefordert. Neben dem vollständig ausgefüllten Anmeldungsformular benötigt die Bank auch eine korrekte Legitimation, d.h. einen juristisch verwertbaren Nachweis der Identität des neuen Kontoinhabers.

Legitimation erfolgt in der Regel per Postident

Das Formular wird im Laufe des Eröffnungsprozesses komplett online erstellt und kann im Anschluss vom Kunden ausgedruckt werden. Sollte kein Drucker zur Verfügung stehen, bieten zumindest einige Institute auch die Möglichkeit, die vollständigen Unterlagen auf dem Postweg zu verschicken. In jedem Fall ist es notwendig, dass der Antragsteller den vollständigen Antrag persönlich unterschreibt und an die Bank verschickt. Für den Nachweis der Identität wird nach unserer Erfahrung in allen Fällen das Postident Verfahren angeboten. Teilweise stehen weitere Verfahren zur Verfügung. Beim Postident Verfahren wird die Identität in einer Filiale der Post durch den Mitarbeiter geprüft und das Ergebnis an das Bankinstitut übermittelt. Alternativ bieten einige Institute die Möglichkeit an, den Nachweis der Identität auch komplett Online zu führen. Dabei spricht man vom Videoident Verfahren.

Dabei wird Antragsteller über die Webcam mit einem Mitarbeiter der Bank verbunden, der die Personalien überprüft. Mit den beiden genannten Schritten ist die Arbeit für den Antragsteller im Wesentlichen erledigt. Nach dem die Unterlagen und die Ergebnisse der Identitätsfeststellung bei der Bank eingegangen sind, dauert es nun noch einige Tage, bis das Konto durch die Bank eingerichtet wird.

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Erst wenn dieser Schritt erledigt ist, werden dem neuen Kontoinhaber alle notwendigen Unterlagen zugeschickt, die er für die Führung seines neuen Tagesgeldkontos benötigt. Hierzu gehören zunächst die Zugangsdaten für den Online Account. Über den Account kann der Kontoinhaber dann alle Funktionen seines Kontos nutzen. Neben dem Abruf von Kontoauszügen und dem Überprüfen des Kontostands gehört dazu vor allem die Funktion, Geld auf das Referenzkonto zu überweisen. Um Überweisungen durchzuführen, benötigt der Kontoinhaber Transaktionsnummern, die sogenannten TANs, mit deren Hilfe er die Überweisungen bestätigen kann. Während einige Anbieter nach wie vor mit TAN-Listen arbeiten, können bei anderen Instituten auch schon modernere und sichere Verfahren genutzt werden. Hierzu gehören etwa die Verfahren PhotoTan oder mobilTan. Dabei werden die Nummern entweder der SMS verschickt oder mit einem Generator selbst erzeugt.

Was gibt es darüber hinaus zu beachten?

Wie bereits erwähnt, gilt der Zinssatz für ein Tagesgeldkonto niemals dauerhaft. Nach einer eventuellen Eröffnungsphase mit einem Zinssatz der für eine bestimmte Zeit garantiert ist, wird ein variabler Zinssatz angeboten, der zum Zeitpunkt der Kontoeröffnung noch nicht 100 prozentig feststeht. Denn die Institute sind laut ihrer AGB jederzeit dazu berechtigt, ihre Zinssätze innerhalb einer festgelegten Frist anzupassen. Grundsätzlich muss der Kontoinhaber allerdings vorher darüber informiert werden. Wenn der Kontoinhaber allerdings stets den besten Zins erhalten will, ist er darauf angewiesen, nach der Eröffnungsphase erneut ein Tagesgeldkonto zu eröffnen. In diesem Zusammenhang ist es noch nicht einmal notwendig, das alte Tagesgeldkonto zu kündigen, da es im Prinzip ausreicht, das Guthaben vom bisherigen Konto abzuziehen und auf das neue Konto zu überweisen.

Fazit – Wenig Aufwand für ein neues Tagesgeldkonto

Wer ein neues Tagesgeldkonto eröffnen möchte, muss für diesen Zweck keinen großen Aufwand einplanen. Das Ausfüllen des Formulars dauert nach unseren Erfahrungen nicht länger als zehn Minuten. Dazu muss gegebenenfalls ein Gang zur nächsten Postfiliale eingeplant werden, zumindest wenn nur das Postident Verfahren angeboten wird. Einige Institute bietet auch Anmeldungsverfahren an, welche komplett Online erledigt werden können.

Der Aufwand kein also Hinderungsgrund sein, auf die Rendite eines Tagesgeldkontos zu verzichten. Aus unserer Sicht können aktuell verschiedene attraktive Angebote empfohlen werden. Die 1822direkt, eine Direktbanktochter der Frankfurter Sparkasse hat dabei ein Tagesgeldkonto im Programm, welches aktuell genau einen Prozent für Einlagen bis zu einer Höhe von 20.000 Euro bietet. Dieses Angebot ist auf die ersten drei Monate nach Eröffnung beschränkt. Noch etwas mehr gibt es bei der Audi Bank. Hier sind sogar 1,25 Prozent für volle vier Monate möglich, wobei das Angebot sogar für 100.000 Euro gilt. Mit einem ebenfalls lukrativen Angebot kann die Ing-DiBa aufwarten, die für ebenfalls 100.000 Euro einen Zinssatz von einem Prozent bietet. So unterschiedlich wie die Konditionen zum Teil sind, in Bezug auf die Anmeldung ähneln sich die Anbieter sehr stark.