Was ist die bessere Anlage? – Tagesgeld oder Fonds und Aktien?

von A.Schwankowksi 2017

Beim Geldanlegen ist es prinzipiell nicht anders als beim Autokauf: Einer Entscheidung sollte eine ausgewogene Abwägung von Kosten und Nutzen vorausgehen, allerdings wird die rationale Überlegungen häufig durch emotionale Beweggründe überlagert. Und so, wie viele Autokäufer sich letztendlich für ein Produkt entscheiden, welches nicht unbedingt optimal zu den Lebensverhältnissen passt, liegen viele Deutsche auch bei ihren Anlageentscheidungen nicht immer im optimalen Bereich. Der Effekt ist in beiden Bereichen der gleiche: Ressourcen, bzw. Geld wird langfristig verschenkt. Und was beim Auto möglicherweise Zusatzkosten in Form von Benzin, Wartungskosten oder Steuern sind, sind bei der Geldanlage Nachteile bei Rendite, Risiko und Flexibilität.

Während in Bezug auf die Entscheidung beim Autokauf jeder seine eigene Entscheidung treffen soll, möchten wir uns in den folgenden Abschnitten mit einigen Gesichtspunkten beschäftigen, die im Zusammenhang mit der richtigen Anlagestrategie von Bedeutung sind. Um eine der offensichtlich beliebtesten Anlagemöglichkeit in Deutschland handelt es sich nach wie vor bei einfachen und flexiblen Bankeinlagen. Neben den Einlagen auf dem Girokonto kommt hierfür vor allem das Tagesgeld in Frage. Demgegenüber bietet sich mit der Investition am Kapitalmarkt eine Möglichkeit, der die deutschen Sparer nach wie vor ausgesprochen skeptisch gegenüberstehen. In den folgenden Abschnitten möchten wir beide Anlagemöglichkeiten einmal vergleichen und dabei besonders die drei Parameter Risiko, Rendite und Flexibilität in den Mittelpunkt stellen.

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Beim Risiko ist die zeitliche Perspektive entscheidend

Werden die Anlagemöglichkeiten Tagesgeld und Aktien bzw. Aktienfonds direkt nebeneinander gestellt, bietet selbstverständlich das Tagesgeld die höhere Sicherheit. Bei Tagesgeld handelt es sich um eine sogenannte Sichteinlage bei einer Bank. Sichteinlagen gehören, neben Termingeldern oder auch Sparbriefen zu einer Anlagekategorie, die den höchsten Schutz genießen, der in Deutschland für Einlagen möglich ist. Hierfür gibt es strenge gesetzliche Regelungen, die dafür sorgen sollen, dass der Kontoinhaber sowohl seine Einlagen, als auch die bisher gezahlten Zinsen auch dann zurück erhält, sollte das Institut, bei dem er sein Tagesgeldkonto führt, in die Insolvenz rutschen. In Deutschland können sich private Kunden bei den allermeisten Banken auf ein doppeltes System der Einlagensicherung verlassen, welches auf der gesetzlichen Ebene alle Einlagen bis zu einem Betrag von 100.000 Euro garantiert schützt. Neben dieser gesetzlich vorgeschriebenen Einlagensicherung greift bei fast allen Instituten außerdem eine freiwillige Einlagensicherung. Die Höhe, für welche diese Sicherung greift, hängt vom Eigenkapital der Bank ab, und reicht im Durchschnitt bis zu einem Betrag von 200 Millionen Euro. Sowohl mit Blick auf seine Einlagen, als auch die vom Institut zugesicherten Zinsen können Bankkunden also davon ausgehen, dass sie auf ihre Einlagen jederzeit in vollem Umfang zugreifen können.

Anders sieht dies bei Investitionen in Aktien bzw. in Aktienfonds aus. Das wesentliche Risiko, welchem diese Anlageform unterliegt, stellt das sogenannte Kursrisiko dar. Wer sich ein wenig mit dem Kapitalmarkt und der Börse beschäftigt, wird wissen, dass die Kurse von Aktien in nicht unerheblichem Maße schwanken können. Am höchsten ist dabei das Risiko bei einzelnen Aktien, wo im Ernstfall sogar der vollständige Verlust des Einsatzes drohen kann, etwa wenn ein Unternehmen, dessen Aktien man besitzt, Insolvenz anmelden muss. Doch auch bei deutlich breiter aufgestellten Investmentfonds oder auch Indexfonds (ETFs) gibt es ein nicht unerhebliches Kursrisiko. Rückschläge bis 30 Prozent und darüber hinaus sind grundsätzlich einzukalkulieren.

Während bei einer einzelnen Aktie die Gefahr besteht, dass das investierte Kapital unwiederbringlich verloren ist, besteht aber bei breiter aufgestellten Anlageprodukten stets die Hoffnung, dass sich die Kurse wieder erholen. Lang angelegte Analysen konnten zeigen, dass dies in der Vergangenheit stets der Fall war. Trotz erheblicher Rückschläge konnten sich Aktienbesitzer, die ihre Investitionen auf eine ausreichende Auswahl von Titel verteilt hatten, nach einem Zeitraum von etwa fünf bis sieben Jahren über einen Wertzuwachs freuen, der einer jährlichen Rendite von wenigstens vier Prozent entsprach. Das Risiko besteht also weniger darin, dass das eingesetzte Kapital komplett verloren geht, als vielmehr darin, dass es zwischenzeitlich nur mit Abschlägen in Geld umgewandelt werden kann, wenn die Anteile verkauft werden sollen. Im Gegensatz zu Tagesgeld bedarf es bei der Investition in entsprechende Produkte also einer möglichst langfristigen Perspektive. Hierbei sind wir mit der Flexibilität beim zweiten Gesichtspunkt.

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Tagesgeld ist bei der Flexibilität klar überlegen

In Bezug auf die Flexibilität besitzt das Tagesgeld gegenüber der Anlage in Aktien oder Aktienfonds klare Vorteile. Dies liegt allerdings nicht an den Möglichkeiten, im Notfall schnell an sein Geld zu gelangen. Sowohl beim Tagesgeld als auch bei einer Anlage am Kapitalmarkt hat der Anleger im Prinzip jederzeit die Möglichkeit, ohne nennenswerten Zeitverlust an sein Geld zu gelangen. In gleichem Maße ist es dabei auch möglich, nur auf einen Teil des Anlagevermögens zuzugreifen. Während bei einem Tagesgeldkonto über das Online Banking mit wenigen Mausklicks der gewünschte Betrag auf das angegebene Girokonto überwiesen werden kann, hat der Inhaber von börsennotierten Wertpapieren ebenfalls die Möglichkeit, alle oder auch nur einen Teil seiner Anteile an der Börse zu veräußern.

Sowohl Aktien, als auch Investmentfonds oder ETFs bilden einen aktuellen Kurs aus, zu dem die Anteile verkauft werden können. Doch genau hier liegt die Einschränkung in Bezug auf die Flexibilität. Denn im Gegensatz zum Tagesgeld gibt es, wie bereits im Abschnitt Risiko beschrieben, keinerlei Garantie, dass der aktuelle Kurs über dem Niveau liegt, zu dem der Anleger einmal in das Börsenprodukt eingestiegen ist. Wenn eine Aktie oder ein Fonds also flexibel ist, dann nur unter der Bedingung, dass unter Umständen mit deutlichen Abschlägen in Bezug auf die Wertentwicklung gerechnet werden muss. Und auch wenn sich eine Aktie bzw. ein Aktienfond deutlich im Plus befindet, ist es nur eine scheinbare Flexibilität, auf die sich der Anleger möglicherweise verlässt. An der schnelllebigen Börse sind auch massive Kursverluste innerhalb kurzer Zeit niemals auszuschließen. Wer also sein Geld mit dem Ziel anlegt, jederzeit darüber in unbegrenzten Umfang verfügen zu können, ist mit Tagesgeld hinsichtlich der Flexibilität auf der sicheren Seite. Anlagen in Börsenprodukte eignen sich demgegenüber nur für eine langfristige Perspektive.

Rendite – langfristig bieten Aktien und Fonds klare Vorteile

Auch mit Blick auf die Rendite hängt es vor allem von den Zielen und der Perspektive des Anlegers ab, bei welcher Anlageform es sich um die bessere handelt. Zumindest langfristig gesehen liegt der Vorteil jedoch eindeutig bei Aktien und Fonds. Dies gilt insbesondere für die aktuelle Niedrigzinsphase – einige Experten sprechen sogar schon von einer Nullzinsphase – bei der aktuell durchschnittlich gerade einmal 0,2 Prozent im Jahr möglich sind. Allerdings, so werden Aktienskeptiker einwenden, ist dies immer noch mehr, als ein deutlicher Rückgang an der Börse. Dieser Einwand ist natürlich nicht von der Hand zu weisen, weshalb bei einer Perspektive von nur einem Jahr auch klar zum Tagesgeld geraten werden kann. Soll jedoch langfristig Kapital aufgebaut werden, etwa für das Ziel einer größeren Anschaffung oder insbesondere für den Aufbau einer Alterssicherung, wo zeitlich Perspektiven von zehn Jahren und mehr im Raum stehen, ist ein Anleger nach einschlägiger Meinung der Experten mit einer Aktienanlage deutlich besser beraten.

Verantwortlich dafür ist neben der Kursentwicklung, auf die am Kapitalmarkt investierte Anleger hoffen, insbesondere die Dividende. Dabei handelt es sich um Gewinnausschüttungen von Unternehmen, die hinter den Aktien, und damit auch hinter den Fondprodukten stehen. Je nach Aktie bzw. Ausrichtung des Fonds kann langfristig mit einer durchschnittlichen Dividendenrendite zwischen 2,5 und 5 Prozent gerechnet werden. Werden die Ausschüttungen, wie in einigen Fonds üblich, sofort reinvestiert (thesauriert), kann zudem von einem beachtlichen Zinseszinseffekt profitiert werden.

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Zu den Vorteilen, die eine Anlage am Kapitalmarkt gegenüber dem Tagesgeld zumindest auf langfristige Sicht ebenfalls bietet, gehört auch ein effektiver Inflationsschutz. Während die Zinsen, die es auf Tagesgeld gibt, nur sehr langsam steigen, auch wenn die Inflationsrate anzieht, werden Aktienkurse sowie Unternehmensgewinne und damit auch die Dividenden langfristig durch die Inflation positiv beeinflusst.

Hinsichtlich der Rendite bieten Aktien und Fonds gegenüber der Anlagemöglichkeit Tagesgeld also klare Vorteile, solange für den Anleger eine langfristige Perspektive im Vordergrund steht.

Fazit – Beide Anlageformen bieten Vor- und Nachteile

Ein direkter Vergleich von Tagesgeld und Börsenprodukten wie Aktien und Aktienfonds fördert zu allererst die Erkenntnis zutage, dass beide Anlageformen ihre spezifischen Vor- und Nachteile und daher selbstverständlich ihre Berechtigung haben. Während also Tagesgeld seinen klaren Vorteil bei der Flexibilität und Sicherheit ausspielt, kommt man zumindest auf langfristige Sicht an Aktien und Fonds nicht vorbei, wenn man Wert auf eine nennenswerte Rendite legt.

Abschließen möchten wir noch auf einige derzeit durchaus attraktive Angebote im Bereich Tagesgeld hinweisen. So bietet die VW Bank derzeit mit 1,25 Prozent p.a. ein sehr interessantes Tagesgeldkonto, welches deutlich über dem Durchschnitt von derzeit nur 0,2 Prozent liegt. Allerdings können nur Neukunden von diesem Angebot profitieren und das auch nur für drei Monate lang, denn danach gibt es nur noch 0,3 Prozent. Ebenfalls attraktiv ist das Angebot der ING DiBa, die neuen Kunden für drei Monate einen Zinssatz von einem Prozent bietet, und danach immerhin noch 0,5 Prozent p.a. in Aussicht stellt. Beide Angebote gelten für Beträge von maximal 100.000 Euro. Während sich die Kunden bei diesen Angeboten sicher sein können, dass Sie ihre Einlagen in vollem Umfang erhalten, gibt es indes keine Garantie, dass der Zinssatz nach der Eröffnungsphase stabil bleibt, denn beim Tagesgeld sind die Institute berechtigt, den Satz täglich zu verändern.