Durch einen Freistellungsauftrag die ganzen Zinsen sichern

von A.Schwankowksi 2017

Wer heutzutage sein Geld sowohl flexibel als auch sicher und gleichzeitig einigermaßen gut verzinst anlegen möchte, kommt an einem Tagesgeldkonto nicht vorbei. Doch auch hier wachsen die Bäume schon länger nicht mehr in den Himmel. Die durchschnittlichen Zinsen aller derzeit in Deutschland verfügbaren Tagesgeldkonten liegen bei bescheidenen 0,2 Prozent. Wer eine bessere Rendite möchte, muss mit der Lupe nach Angeboten suchen, die einen besseren Zinssatz bieten und mitunter häufiger das Konto wechseln, um gut dotierte Eröffnungsangebote zu nutzen.

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Allerdings handelt es sich bei den erhaltenen Zinsen, und mögen sie auch noch so niedrig sein, um Kapitalerträge, die in Deutschland grundsätzlich steuerpflichtig sind. Seit einigen Jahren gilt dabei die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag sowie im Falle der Kirchenzugehörigkeit die Kirchensteuer, so dass in etwa 28 Prozent einer Zinsgutschrift grundsätzlich dem Finanzamt gehören. Unternimmt der Kontoinhaber nämlich nichts, so wird die Steuer automatisch von der Bank an das Finanzamt überwiesen, d.h., der Kontoinhaber erhält die Zinsgutschrift nur mit dem kompletten Steuerabschlag. Nur bei der Abgabe einer Jahressteuererklärung ist es in diesem Zusammenhang zudem möglich, sich diese Steuer vom Finanzamt wieder zurück zu holen. Aus diesem Grunde sollten die Sparer in jedem Fall vorher bzw. im Zuge der Kontoeröffnung tätig werden und der Bank einen sogenannten Freistellungsauftrag erteilen.

Denn der Gesetzgeber sieht es vor, dass Kapitalertragssteuern erst ab einem Betrag von 801 Euro je Sparer und Jahr steuerpflichtig sind. Das heißt, alle Erträge unter dieser Summe, stehen dem Sparer in vollem Umfang zu. Damit er die vollen Zinsen aber auch erhält, muss er, wie gesagt, einen Freistellungsauftrag einrichten. In den folgenden Abschnitten möchten wir erklären, was es im Zusammenhang mit der Erteilung eines Freistellungsauftrages zu beachten gibt. Diese Frage gilt besonders, wenn der Sparer häufiger sein Tagesgeldkonto wechselt, oder auch, wenn er mehrere Tagesgeldkonten parallel besitzt bzw. neben den Tagesgeldzinsen auch andere Kapitaleinkünfte bezieht. Als weiteren Aspekt möchten wir die Frage beantworten, wie verheiratete Paare den Freistellungsauftrag am besten einsetzen.

Steuern sparen durch den Freistellungsauftrag

Zumindest mit einem durchschnittlichen Tagesgeldkonto und einem durchschnittlichen Vermögen dürfte es aktuell eher unwahrscheinlich sein, dass überhaupt Abgeltungssteuer gezahlt werden muss. So müssten bei einem durchschnittlichen Zinssatz von 0,2 Prozent mehr als 400.000 Euro auf dem Konto liegen, bevor die jährlichen Zinsen den Freibetrag übersteigen. Somit kommen theoretisch eigentlich nur die wenigsten in die Verlegenheit, Kapitalertragssteuern bezahlen zu müssen. Dies gilt allerdings nur, wenn das komplette Vermögen auf einem Tagesgeldkonto liegt. In der Regel ist das Geld aber bei den meisten Sparern auf mehrere Anlageformen verteilt. Daher ist es notwendig, auch den Sparerfreibetrag entsprechend aufzuteilen und für jede Sparform einen spezifischen Freistellungsauftrag zu erteilen.

Zu den Sparformen, die ebenfalls berücksichtigt werden sollten, gehören unter anderem Bausparverträge, Festgeldanlagen sowie Aktien und Anleihen, die in einem Depot liegen. Der Sparer sollte sich also regelmäßig einen Überblick über seine aktuellen Anlagen verschaffen und die Höhe des entsprechenden Freistellungsauftrages entsprechend verteilen und zuweisen.

Für diesen Zweck werden von den Instituten entsprechende Formulare bereitgestellt, die hierfür ausgefüllt, persönlich unterschrieben und an den Anbieter verschickt werden müssen. Zu achten ist natürlich vor allem darauf, dass die Summe aller erteilten Freistellungsaufträge den Gesamtbetrag von 801 Euro nicht übersteigt.

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Welche weiteren Möglichkeiten gibt es?

Im Prinzip sind die Möglichkeiten, die den Sparern in Bezug auf den Freistellungsauftrag zustehen, begrenzt. Die Summe von 801 Euro ist gesetzlich festgelegt und kann nicht verändert werden. Auch Zinsen, die etwa im Rahmen eines Kredites an die Banken gezahlt werden, können nicht mit den Zinserträgen verrechnet werden. Dagegen ist es möglich, Verluste, die im Rahmen von Kapitalanlagen erlitten wurden, anzurechnen. Wurden etwa bei einer Aktienanlage Wertpapiere mit Kursverlusten verkauft, so können diese Beträge mit den erzielten Kapitalerträgen verrechnet werden. Dabei haben Ehepaare und Familien zusätzliche Möglichkeiten, den gesetzlich bestehenden Rahmen optimal auszunutzen. Der Sparerfreibetrag steht nämlich jedem Bürger zu und damit natürlich auch Kindern. Familien mit einem oder mehreren Kindern können ihren Spielraum hinsichtlich der steuerfreien Kapitalerträge also deutlich erweitern. Dabei gelten für Ehepaare und Kinder von Familien unterschiedliche Regelungen.

Verheiratete Paare können ihren Sparerfreibetrag zusammenlegen, so dass insgesamt 1.602 Euro als einzelner Freistellungsauftrag für ein gemeinschaftlich geführtes Konto erteilt werden können. Ebenso ist es natürlich möglich, separate Freistellungsaufträge zu erteilen. Im Falle eines gemeinschaftlichen Freistellungsauftrages ist es notwendig, dass beide Ehepartner das Formular unterschreiben. In Ergebnis spielt es für die Steuerersparnis aber praktisch keine Rolle, ob ein separater oder ein gemeinsamer Freistellungsauftrag erteilt wird, solange alle Sparformen gleichmäßig berücksichtigt werden.

Eine weitere Möglichkeit, die Ehepartner in diesem Zusammenhang nutzen können, ist eine ehegattenübergreifende Verlustrechnung. Dabei können Verluste aus Kapitalanlagen des einen Partners mit den Gewinnen des anderen Partners verrechnet werden. Auch hierfür spielt es keine Rolle, ob ein gemeinschaftlicher oder ein separater Freistellungsauftrag besteht. Im Falle separater Freistellungsaufträge muss hierzu in dem entsprechenden Formular die gemeinsame Veranlagung der Ehepartner angekreuzt werden. Ist der Freistellungsauftrag des jeweils anderen Ehepartners bereits ausgeschöpft, kann ein Freistellungsauftrag über null Euro erteilt werden, so dass trotzdem eine ehegattenübergreifende Verlustrechnung angewendet werden kann.

Und auch für Kinder kann ein separater Freistellungsauftrag bei der Bank gestellt werden, auch hier liegt der Freibetrag bei 801 Euro. Dies erweitert die Spielräume auch für die Sparanlagen der Eltern. So können im Namen der Kinder Tagesgeldkonten aber auch Aktiendepots eröffnet werden, deren Kapitalerträge im Rahmen des Freibetrages geschützt sind. Rein rechtlich sind dann aber die Kinder die Inhaber der Konten und Depots und damit die Besitzer der Vermögenswerte. Spätestens nach dem vollendeten 18. Lebensjahr zieht dies weitere rechtliche Konsequenzen nach sich. Denn die Kinder sind nun selbstständig geschäftsfähig und können alleine über ihre Konten verfügen.

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Die Bedeutung der Steueridentifikationsnummer

Eine Besonderheit, von der viele Sparer bis heute noch keine Kenntnis haben, die aber bereits seit dem Jahre 2011 gilt, ist, dass der Steuerfreibetrag nur in Zusammenhang mit der Steueridentifikationsnummer gilt. Steuerfreibeträge, die vor 2011 erteilt worden sind, haben dabei zunächst ihre Gültigkeit behalten, diese ist jedoch Ende 2015 ausgelaufen. Seit 2016 ist der Steuerfreibetrag also für alle nur noch in Verbindung mit der Identifikationsnummer gültig. Die Sparer sollten also noch in diesem Jahr ihren Banken die entsprechende Steueridentifikationsnummer an die Bank übermitteln, wenn sie nicht bereits dazu aufgefordert wurden.

Vorgehen bei verschiedenen Tagesgeldkonten

Auch Sparer, die bei ihrer Anlagestrategie darauf setzen, immer wieder neue Eröffnungsangebote verschiedener Tagesgeldanbieter zu nutzen, um dauerhaft einen überdurchschnittlichen Zins zu erzielen, sollten der Bedeutung des Freistellungsauftrages besondere Aufmerksamkeit widmen. Werden immer wieder neue Konten eröffnet sowie mitunter mehrere Tagesgeldkonten parallel genutzt, ist es nicht immer ganz einfach, die Übersicht zu behalten. Entscheidend ist auch hier zunächst die Regelung, dass die Summe aller einzeln erteilten Freistellungsaufträge nicht den Gesamtbetrag von 801 Euro übersteigen darf. Werden also regelmäßig neue Konten eröffnet, sollten die Sparer auch daran denken, die nicht mehr genutzten Konten zu kündigen bzw. den Freistellungsauftrag zu widerrufen. Eine Kündigung eines Kontos, welches mehr genutzt wird, hat zudem unter Umständen den Vorteil, dass ein bestimmtes Eröffnungsangebot mit überdurchschnittlich hohen Zinsen nach einer bestimmten Frist erneut genutzt werden kann, da der Kunde wieder als neuer Kunde gezählt wird.

Fazit – Das sollten Sie bei der Nutzung des Freistellungsauftrages beachten

Auch wenn oder besser gerade weil die Zinsen derzeit im Keller sind, sollten die Sparer darauf achten, dass den Banken jeweils ein Freistellungsauftrag erteilt wird. Sonst sind die Banken dazu verpflichtet, von den anfallenden Zinsen die Kapitalertragssteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer direkt an das Finanzamt abzuführen. An den Kontoinhaber werden dann nur noch etwas mehr als 70 Prozent des Zinsertrages ausgezahlt. Dies lässt sich vermeiden, in dem an die Bank ein Freistellungsauftrag erteilt wird. Bei mehreren Anlageprodukten ist es dabei notwendig, den Freistellungsauftrag auf die verschiedenen Anbieter zu verteilen. Grundsätzlich können auch Verluste, die im Zusammenhang mit Kapitalanlagen angefallen sind, mit den Kapitalerträgen verrechnet werden. Dabei haben Ehepaare und auch Familien mit Kindern zusätzliche Möglichkeiten. Ehepaare können Gewinne und Verluste aus Kapitalerträgen allerdings wechselseitig verrechnen. Innerhalb von Familien können die Freibeträge der Kinder zusätzlich ausgeschöpft werden. Für Sparer, die regelmäßig neue Konten eröffnen, ist es zudem wichtig, immer wieder neue Freistellungsaufträge zu erteilen und die alten zu kündigen.

Doch bevor Kapitalertragssteuer fällig wird, müssen überhaupt erst einmal Kapitalerträge erzielt werden. Im Zusammenhang mit Tagesgeldkonten ist dies angesichts der aktuell sehr niedrigen Zinsen jedoch nicht ganz einfach. Allerdings gibt es durchaus noch Angebote, die deutlich über dem aktuellen durchschnittlichen Tagesgeldzins von nur 0,2 Prozent liegen. Hierzu sollten die Sparer auf sogenannte Eröffnungsangebote achten, die von einigen Instituten für Neukunden angeboten werden. Ein interessantes Angebot gibt es derzeit bei der VW Bank, die neuen Kunden für den begrenzten Zeitraum von vier Monaten einen Zinssatz von 1,1 Prozent pro Jahr anbietet. Dieses Angebot gilt für einen Sparbetrag von maximal 100.000 Euro. Im Anschluss fällt der reguläre Zinssatz bei diesem Konto dann auf 0,3 Prozent. Ein zweites interessantes Angebot kommt von der ING DiBa. Sie bietet neuen Kunden für ebenfalls vier Monate den Zinssatz von einem Prozent und zahlt im Anschluss immerhin noch 0,5 Prozent. Auch dieses Angebot gilt für 100.000 Euro. Den Zinssatz von 1,11 Prozent p.a. bietet die wüstenrot direct Neukunden auf das Tagesgeld, allerdings nur für 20.000 Euro. Danach kann dann nur noch mit 0,1 Prozent p.a. gerechnet werden.